//Content Shock – in der Flut der Inhalte auffallen

Content Shock Title

tl;dr (Lesezeit: 5 Minuten)

  • In der zunehmenden Inhaltsflut im Netz wird es für Publisher immer schwerer, mit ihrem Content aufzufallen.
  • Evergreen Content und Slow Blogging sind zwei Ansätze, die helfen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
  • Qualität ist das oberste Gebot. Enttäuschte User kommen nicht wieder.
  • Der Blogger bestimmt selbst, wie oft er veröffentlicht. Erst muss der Content stimmen, dann erst kann es an die Distribution gehen.
  • Wer nur nach angesagten Hashtags schreibt, macht sich nicht beliebt, sondern beliebig.

Auf Twitter strömen sekündlich neue Informationen in die Timeline, die Chronik bei Facebook ist ein kunterbuntes Durcheinander und die Blog-Abonnements im E-Mail-Postfach werden auch nicht weniger. Da stellt sich die Frage: Wer soll das alles konsumieren? Der Content Shock ist eingetreten. Und überrollt die User wie eine Lawine, wenn Blogger nichts dagegen unternehmen.

Der Content Shock ist das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung, die vom im Grunde guten Kern des Internets herrührt: Jeder kann und darf seine Meinung äußern, jeder kann und darf Content kreieren. Unzureichende Filter führen jedoch dazu, dass eine Flut an Sichtweisen, Gedanken und Behauptungen im digitalen Äther umherwabert, deren Wahrheitsgehalt sich nur schwer überprüfen lässt. Ist diese Meldung fundiert? Die Quelle seriös? Welche Interessen verfolgt der Blogger bzw. das Medium?

Ein hoher Preis

Aufmerksamkeit ist die Währung im Netz. Und jede Form von Content möchte ein Stück dieser Aufmerksamkeit für sich beanspruchen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn Leser allmählich die Konzentrationsspanne eines Goldfischs entwickeln.

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Die Gefahr dabei: In der Flut können die Perlen, die wirklichen Kleinode des Netzes, untergehen. Durch die enorme Menge an Inhalten ist es schwieriger geworden, herauszustechen. Medien kämpfen um jeden Leser und lassen sich immer neue Strategien einfallen, um eine einigermaßen stabile Bindung zum User aufzubauen.

Hinzu kommt, dass die Bereitschaft, Geld für Paid Content zu bezahlen, zwar allmählich steigt, aber nach wie vor gering ist. User möchten nicht nur ständig neue Inhalte online, sie wollen diese Inhalte auch frei Haus haben.

Evergreen Content und das Leichtverdauliche

Zunächst hilft es, zwischen zwei Content-Arten zu unterscheiden. Da sind zum einen  schnelllebige Inhalte, die sich an aktuellen Ereignissen orientieren. Zu diesem Content zählen beispielsweise Nachrichten, temporäre Angebote und rasante Änderungen in einer Branche.

 
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Dem gegenüber existiert der sogenannte Evergreen Content. Dieser besteht aus Beiträgen, die selbst mit voranschreitender Zeit nicht an Bedeutung verlieren. So wäre ein Blogartikel mit dem Titel WordPress installieren auch in zwei Jahren noch nützlich und würde Einsteigern in das Thema „Blogging“ einen Mehrwert bieten.

Zwar muss Evergreen Content auch um das Ranking bei Suchmaschinen ringen, jedoch nicht mit anderen Blogs und Medien im Social-Media-Bereich um die tägliche Aufmerksamkeit buhlen. Oft gelangen User durch Backlinks oder eigene Suchanfragen zu Evergreen Content. Sie bringen also ohnehin das Interesse am Thema und die Bereitschaft mit, sich auf den Content einzulassen.

Weniger Content?

Eine Verschlankung des Internets, geschweige denn eine Reduktion von Content, ist unwahrscheinlich. Viel eher ist anzunehmen, dass die Menge an Inhalten auch in Zukunft wachsen wird. Dem entgegen wirkt der Trend des Slow Blogging, der ebenfalls die Tendenz zum Evergreen Content hat.

 
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Beim Slow Blogging geht es darum, seltener zu bloggen, dafür mit höherer Qualität. Beiträge können auf diese Weise ausführlicher werden, was sich positiv auf das Suchmaschinenranking auswirkt. Insofern wäre die Entwicklung auch für den User eine erfreuliche und ein organischer Weg aus dem Content-Shock: weniger Masse, mehr Klasse.

Umsichtiges Content Marketing

Dass ein Blog strategische Vorteile hat, darin sind sich die meisten Firmen, Selbstständigen und Freelancer einig. Allerdings kommen diese Vorteile nur dann zum Tragen, wenn ein vernünftiges Content Marketing betrieben und ein zur Zielgruppe passender Kurs angesteuert wurde. Was nützen die besten Blogartikel, wenn sie nicht mit den Werten der Marke übereinstimmen oder in Netzwerken geteilt werden, in denen sich die potenziellen Leser nicht aufhalten?

 
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Geholfen ist auch niemandem, wenn Blogposts stiefmütterlich geschrieben werden – denn genauso lesen diese sich dann auch. Da werden basale Themen kurz angerissen, weil das ja alle so machen. Ein Beispiel: „Lass uns doch ein bisschen was über SEO schreiben, dann kommen die Leser schon auf unsere Website.“

So einfach ist es aber nicht. User sind anspruchsvoll. Nichts ist enttäuschender, als auf der Suche nach Hilfe auf einen vielversprechenden Link zu klicken und anschließend mit einem 300-Wörter-Standardtext abgespeist zu werden. Auch das ist ein Aspekt des Content Shocks.

Der Weg aus dem Content Shock

Fassen wir zusammen: Evergreen Content und Slow Blogging sind zwei Dynamiken, die sich gut ergänzen und eine Verbesserung der Content-Qualität auf organischem Wege anstreben. Das führt zur offensichtlichen und befreienden Frage: Warum sich vom Content Shock verrückt machen lassen?

Es gibt keine Verpflichtung für Blogger, regelmäßig Artikel zu veröffentlichen und in den sozialen Netzwerken zu teilen. Es wird lediglich empfohlen, eine gewisse Konstanz beizubehalten. So freuen sich insbesondere Stammleser ähnlich wie bei einem Magazin auf den verlässlichen Erscheinungstermin von neuem Content.

Dabei handelt es sich jedoch um die Kür, nicht um die Pflicht. Zunächst einmal muss der Content stimmen, dann erst kann es an die Distribution gehen. Wer unter Druck Artikel schreibt, läuft Gefahr, Fehler zu machen und den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren. Diese Krise wird in der Szene als Blogger Burnout bezeichnet.

 
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 Das können Unternehmer tun

Was also gilt es zu beachten, um einen soliden Corporate Blog in den hakeligen Zeiten des Content Shocks auf die Beine zu stellen? Diese 5 Schritte bieten eine erste Orientierung:

  1. Redaktionelle Entscheidungen treffen: Soll in den Blog Evergreen Content oder Content, der von seiner Aktualität lebt? Bietet sich eventuell auch eine Mischform an, z. B. durch Rubriken wie „News“ und „Ratgeber“?
  2. Qualität und Beständigkeit wirken dem Content Shock entgegen. Daher sollten auch Corporate Blogs regelmäßig hochwertige Beiträge veröffentlichen. Saubere und gewissenhafte Recherche kommt jedoch zuerst. Sie ist die Basis für jeden Artikel.
  3. Publisher sollten genügend Zeit für die Moderation von Kommentaren auf dem Blog und in den sozialen Netzwerken einplanen. Links zu Beiträgen sollten wohldosiert werden. Es lohnt sich, für jeden Social-Media-Kanal einen eigenen Teaser zu schreiben. So viel Zeit für strategische Distribution muss sein!
  4. Trends nicht hinterherlaufen! Blogger sollten bei ihrem Fachgebiet bleiben, über etwas, das einen klaren Zusammenhang zu dem Unternehmen bzw. der Marke erkennen lässt. So würde es etwa irritieren, im Blog eines Tech-Unternehmens Kochrezepte zu finden.
  5. In die Tiefe gehen. Was gibt es Neues zu Ihrem Thema zu sagen? Welche frischen Ideen und Konzepte kann man den Usern präsentieren?

Die richtigen Faktoren heranziehen

Hier anzusetzen erfordert ein hohes Maß an kritischer Reflexion und Zeit. In einer Ära des Content Shocks ist es daher wichtiger denn je, Content mit Bedacht zu veröffentlichen und fremde Beiträge richtig zu kuratieren. Besucherzahlen oder ein hohes Ranking sind hierfür kein zuverlässiger Hinweis. Schließlich erfreuen sich auch inhaltlich fragwürdige Verschwörungsblogs großer Beliebtheit und hohem Traffic.

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Es ist generell keine gute Idee, bei der Erstellung von Content auf die Klickzahlen zu schielen. Trends können sich schnell ändern. Wer nur nach angesagten Hashtags schreibt, macht sich nicht beliebt, sondern beliebig. Natürlich ist es wichtig, die Besucherströme im Blick zu haben: Woher kommen die User, was suchen sie, was führt sie auf meinen Blog? Doch dies sind nur einige Faktoren, die in die Gewichtung von Content fallen sollten.

Fazit

Der Content Shock ist wie ein Verkehrsinfarkt: Die Datenautobahnen sind verstopft, es wird gehupt, Drängler wollen schneller vorankommen. Und wie bei einem Stau wird sich das Problem nur langsam lösen. Das bedeutet nicht, dass schnelllebiger, aktueller Content ins Hintertreffen geraten sollte. Vielmehr heißt es, dass nicht jeder Blogger dazu verdammt ist, schnelllebigen Content bieten zu müssen, um langfristig erfolgreich zu sein.

// Über den Gastautor

© Lydia RechBenjamin Brückner ist Journalist, Blogger und Gründer der Online-Plattform Freelance Start. Nach mehrjährigen Tätigkeiten in Hörfunk- und Fernsehredaktionen veröffentlichte er zwei Bücher und arbeitet unter anderem als Redakteur und Newsletter-Teamleiter bei Zielbar. Auf seinem eigenen Blog verfasst er regelmäßig Rezensionen, Lesetipps und Analysen zu gesellschaftlichen Themen. Privat interessiert Benjamin sich für Philosophie, Geschichte, Sport, digitale Entwicklungen und natürlich für kreatives Schreiben. Für den OSK-Blog schreibt der 30-Jährige als Gast-Autor über aktuelle Internettrends, die Digitalisierung und die Medienbranche.

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

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  • Jürgen Schlei

    Slow Blogging gefällt mir ganz gut als Begriff. Habe vor einiger Zeit auch den Begriff Slow Media gehört. Die generelle Tendenz geht also Richtung “langsam”. Ich denke, “langsame” Inhalte werden in der Zukunft auch mehr auffallen, da sie sozusagen durch ihr geringeres Tempo besser in der gesamten Flut an Informationen betrachtet werden können und ihre Qualität als Eigenschaft unmittelbar von den Usern eingeschätzt wird.

  • OSK Germany

    Hallo Herr Schlei,

    vielen Dank für Ihr positives Feedback. Genau das ist, wie Sie richtig erläutert haben, die Idee des Slow Bloggings: weniger Posts, dafür mehr Qualität (vereinfacht gesagt).

    Mit besten Grüßen,

    Carsten Christian

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