//KW 18 – Live und enorm reichweitenstark: Twitch wird vom Nischenphänomen zum Publikumsmagneten

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Liebe Leserinnen und Leser,

Twitch gilt als weltweit führende Livestreaming-Videoplattform und ist vor allem bei Gamern beliebt. Sie nutzen den Dienst, um vor laufender Kamera zu zocken oder anderen beim Zocken zuzuschauen. Das Konzept geht auf: Twitch, 2014 von Amazon übernommen, hat innerhalb von nur drei Jahren die Grenze von täglich 15 Millionen Nutzern geknackt. Damit wird die Plattform auch für Unternehmen immer spannender. Im aktuellen OSK Weekly beleuchten wir die Möglichkeiten des Portals und zeigen, wie Twitch in der Unternehmenskommunikation eingesetzt werden kann.

Viel Spaß beim Lesen!

Die Sportschau für Gamer

Twitch sei Mainstream-Unterhaltung – genau wie Kochshows und Fußball-Talksendungen. So erklärt Burkhard Leimbrock, Deutschland-Chef der Livestreaming-Plattform, das Phänomen. Das Medienmagazin Kress Report hat mit dem Manager gesprochen – auch über Userzahlen. Mit monatlich 3,7 Millionen Nutzern sei Deutschland für Twitch einer der wichtigsten Märkte. 2017 eröffnete das Unternehmen aus dem Silicon Valley in Hamburg seine Deutschland-Zentrale. Nun kam ein Büro in Berlin dazu. Dort arbeiten neben Chef Leimbrock Werbeverkäufer, Partnership-Manager und Entwickler an dem Ziel, mehr Menschen für das Livestreamen zu gewinnen, die Anzahl der Zuschauer zu steigern und weitere Marken und Agenturen für eine Zusammenarbeit mit Twitch zu begeistern.

Twitch funktioniert auch für Unternehmen außerhalb der Gaming-Branche

„Unsere User sind meist jung, männlich und über andere Kanäle wie TV nur schwer zu erreichen“, sagt Twitchs Deutschland-Chef, Burkhard Leimbrock, im Interview mit Horizont. Dabei liefert er großen Unternehmen Gründe, ihr Marketingbudget auf dem Portal zu investieren. In erster Linie funktionierten auf Twitch Bewegtbild-Formate wie Pre- und Mid-Rolls, also kurze Werbeeinblendungen vor oder während eines Streams, erklärt Leimbrock. Klassische Bannervermarktung habe dagegen eine sehr geringe Bedeutung. Zwar gehe es auf Twitch vor allem um Gaming, ein guter Moderator könne jedoch auch andere Themen kommunizieren. So gebe es die Kategorie „Creative“, in der Streamer zum Beispiel zeigen, wie sie ein Bild malen oder etwas basteln.

In Sachen Kommunikation dürfe es gerne ein bisschen „nerdy“ zugehen, wie eine Kampagne mit Paramount Pictures gezeigt hat. Zum Start des Films “Star Trek Beyond” wurden ausgewählte Influencer während der Moderation eines Livestreams aus ihren Stühlen herausgebeamt und tauchten auf der Brücke der Enterprise wieder auf, um gegeneinander Video-Games zu spielen. Dabei ging es nicht in erster Linie darum, dass die Influencer den Film aggressiv bewerben. Vielmehr wurden sie in einem Umfeld positioniert, in dem sie und ihre Zielgruppe sich wohlfühlten.

Twitch hängt YouTube Gaming ab

2018 hätte für Twitch nicht besser starten können. Als im März der Pro-Gamer Ninja mit den beiden Rap-Stars Drake und Travis Scott das Hype-Spiel Fortnite spielte, schauten dabei 628.000 Zuschauer live zu – ein absoluter Rekord und die Krönung für ein sehr erfolgreiches erstes Quartal. Um 21 Prozent seien die weltweiten Zuschauerzahlen im Vergleich zum letzten Quartal in 2017 gestiegen, berichtet TechCrunch. Die Streaming-Plattform habe durchschnittlich 953.000 Live-Zuschauer erreicht. Der größte Konkurrent, YouTube Gaming, kam im gleichen Zeitraum gerade mal auf durchschnittlich 272.000 Zuschauer und musste dabei im Vergleich zum vierten Quartal in 2017 einen Rückgang der Zuschauer von zwölf Prozent hinnehmen.

Amazon will zum Broadcaster werden

Mit der Übernahme von Twitch im Jahr 2014 überraschte Amazon die gesamte Techbranche, wie Hendrik Laubscher auf Advertising Week 360 schreibt. Lange wurde über die Beweggründe gerätselt. Nun hätte sich gezeigt, was an dem Livestreaming-Portal 970 Millionen Dollar wert gewesen sei: der Content. Für Amazon sei die Livestreaming-Plattform der Einstieg ins Broadcasting-Geschäft. So sollen der Spielehersteller Activision oder die NBA daran interessiert sein, die eigenen E-Sport-Ligen exklusiv auf Twitch zu übertragen. Der Autor findet: „Videospielehersteller, die Twitch ignorieren, handeln fahrlässig.“ Die Streaming-Plattform eröffne ihnen eine ganz neue Marketingplattform mit einer riesigen Zielgruppe.

Unsere Meinung – lernt die Twitch-Sprache!

Twitch bringt alle Voraussetzungen für erfolgreiche Kommunikationskampagnen mit: große Reichweite, eine engagierte Zielgruppe und erfahrene Creators. Damit die Botschaften jedoch bei den Usern ankommen, müssen die Maßnahmen zur Plattform passen. Dementsprechend heißt es für Kommunikationsprofis, vorab zu prüfen, ob Twitch die richtige Wahl für ihr Unternehmen ist. Wie das Beispiel von Paramount Pictures zeigt, können Kampagnen erfolgreich sein, die keine direkte Verbindung zur Gaming-Szene haben. Voraussetzung dafür ist aber, sich auf das Umfeld einzulassen, das die Nutzer gewohnt sind. Dafür sind kreative Herangehensweisen und ein Verlassen der gewohnten Pfade nötig.

Online-Redakteur

Carsten Christian ist studierter Journalist und Kommunikationswissenschaftler, seinen Master-Abschluss hat er an der Uni Hamburg gemacht. Bevor er zur Agentur kam, war der Digital Native mehr als zwei Jahre für die Online- und Print-Ausgabe der Ruhr Nachrichten im Einsatz. Bei OSK arbeitet er als Online- und Social-Media-Redakteur, auf dem Agentur-Blog schreibt Carsten über den Medienwandel und Trends im Bereich Mobile und (Online-)Video. Privat verfolgt er Neuigkeiten in der Videospiel- und Gaming-Szene, schaut gerne Let's-Plays auf YouTube und greift auch selbst zu Maus und Gamepad.

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