//Kurzfilme drehen mit Vine

Das Internet hat ein neues Lieblingsspielzeug. So, oder so ähnlich, schrieben Online-Dienste wie meedia.de noch Anfang 2013 über die Video-App Vine, einige bezweifelten sogar ihr Potential. Seitdem hat die Plattform eine so beachtliche Entwicklung hingelegt, dass wohl niemand mehr von einem reinen Spielzeug sprechen kann: Mit mehr als 40 Millionen Usern hat sich das Tochterunternehmen von Twitter im Laufe seines ersten Jahres zu einer der am schnellsten wachsenden Plattformen im Social Web gemausert. Tendenz: weiter steigend.

Mit Vine kann der Nutzer mit seinem Smartphone 6-Sekunden-Videos veröffentlichen, die ähnlich wie ein animiertes GIF in Dauerschleife laufen. Auf der Plattform teilen viele Nutzer ihren Alltag, aber auch kreative Köpfe tummeln sich dort, die in sechs Sekunden preisverdächtige Kurzfilme drehen. Der #6secfilms Wettbewerb des Tribeca Filmfestivals widmete sich schon kurz nach dem Launch der App diesen ganz kreativen Vines. Auch in diesem Jahr können User noch bis Ende März ihre Kurzfilme via Hashtag einreichen, ehe am 15. April die Gewinner in New York bekanntgegeben werden.

Aber auch Unternehmen haben Vine für sich entdeckt. Digital Natives lächeln da inzwischen eher müde, wenn der Einsatz der Videoschnipsel in der Unternehmenskommunikation als neu bezeichnet wird, Deutschland hat hier noch Nachholbedarf. Das ist besonders schade, denn die Plattform ist ideal dafür geeignet, Inhalte zu emotionalisieren und kreativen Content zu entwickeln, der sowohl zum Unternehmen als auch zur Plattform und ihrer Community passt.

Wer seine Geschichte in sechs Sekunden erzählen kann, gewinnt im reizüberfluteten Netz

Wenn es um die Vermittlung komplexer Inhalte geht, ist Vine sicherlich nicht das richtige Tool. Denn Nutzer haben laut der Online-Plattform The Statistic Brain eine achtsekündige Aufmerksamkeitsspanne, die gleichzeitig Voraussetzung und Erfolgsrezept für Vine ist. Die Stärke des Netzwerks liegt in seiner Einfachheit und der Vermittlung von Emotionen, denn eines steht fest: Mit Vine können Unternehmen mehr Nähe zum Konsumenten erzeugen als mit dem generischen Wochenend-Post auf Facebook oder dem #ff auf Twitter.

Für wen ist Vine also geeignet?

Die Zielgruppe, die sich auf Vine bewegt, lässt sich als junge, kreative und aufgeschlossene Nutzergruppe bezeichnen. Klar, dass sich die Plattform insbesondere für Lifestyle-Marken eignet. Mit kreativen Videos lassen sich Produkte in Szene setzen, ohne ihnen einen zu großen werblichen Stempel aufzudrücken. Ob Produkt-Previews, Fertigungsprozesse oder ein Blick hinter die Kulissen des Unternehmens – Grenzen gibt es hier fast keine. Für B2B-Unternehmen ist Vine – anders als man meinen könnte – nicht weniger geeignet, erfordert aber deutlich mehr Ideenreichtum. So können beispielsweise kurze Wissensclips oder How-to-Videos erfolgreich eingesetzt werden, um auch sperrige Themen spannend zu kommunizieren.

Einzige Voraussetzung: Der Content muss Vine-gerecht sein. Hat man den Dreh raus, darf man auch auf die Kreativität seiner Follower setzen. Ein plattformübergreifender Aufruf und Hashtag sorgt für Aufmerksamkeit und lässt user-generated Content im Videoformat entstehen, wie uns General Electric als Paradebeispiel mit #6secondsscience zeigt. Im gleichnamigen Tumblr sammeln sich mittlerweile eine Vielzahl amüsanter und lehrreicher Videosnippets.

Reichweite ist ein weiteres Argument für den Einsatz von Vine. Durch die natürliche Verbindung zu Twitter kann Vine einfach in die bestehende Kommunikation integriert werden. Marken und Unternehmen profitieren so von ihrer bereits aufgebauten Reichweite. Vine ist Content-Lieferant für weitere Social-Media-Kanäle.

Fazit

Werbevideos und platte Markenbotschaften funktionieren im Social Web nicht (mehr). Vine bietet Abhilfe: Unternehmen, die den Charakter und die Anforderungen der Plattform verstehen, können sie erfolgreich einsetzen, um bei ihrer Zielgruppe zu punkten, ins Gespräch zu kommen und Nähe aufzubauen.

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Manager Online / Social Media

Oliver Nermerich ist Kommunikationswissenschaftler und lebt im Internet. Bei OSK arbeitet er als Manager Online/Social Media und entwickelt kundenübergreifend Strategien, Auftritte und Kampagnen für das Internet und mobile Anwendungen. Auch privat dreht sich bei ihm alles um die digitale Welt: Er gehört zum Autorenteam des Lifestyle-Blogs Whudat.de und betreibt mit Freunden das Rolling-Magazin “Be-Mag”. Sein Smartphone gibt er nur aus der Hand, wenn er auf sein Board steigt und an der Algarve die nächste Welle surft. Für das OSK Blog spürt er die neuesten Trends und Entwicklungen im Netz auf und spricht mit Meinungsmachern und Digital Influencern.

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