//Dem Erfolgsgeheimnis von Instagram auf der Spur

Facebook-Chef Mark Zuckerberg blätterte 2012 rund eine Milliarde Dollar (760 Millionen Euro) für den mobilen Foto-Dienst Instagram hin. Die Übernahme der populären App durch den Social Media Giganten war zu dieser Zeit eine der spektakulärsten Meldungen der internationalen Start-Up-Szene. Inzwischen hat Instagram mit Hilfe seines großen Bruders den mobilen Massenmarkt erobert und wächst kontinuierlich weiter. Erst vor wenigen Tagen verkündete Instagram, dass es nun monatlich von 200 Millionen Usern genutzt wird. Im September 2013 waren es noch 150 Millionen – die Community ist somit innerhalb von rund sechs Monaten um 50 Millionen Nutzer gewachsen. Grund genug, das angesagte Bildernetzwerk einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und sein Erfolgsgeheimnis zu ergründen.

lomo Bilder bestimmen unseren Alltag wie nie zuvor – sowohl offline als auch online. Im Schnitt laden Facebook-Mitglieder 250 Millionen Bilder in das Netzwerk – pro Tag.

Dieses Insta(k)rams – was macht man hier überhaupt?

Der schnelle Schnappschuss mit Instagram – es ist ganz einfach: Man benötigt lediglich ein Smartphone, die entsprechende App (z.B. hier oder hier) und natürlich Spaß am Fotografieren. Jetzt schnell ein Selbstporträt bzw. – wie es dieser Tage heißt – ein “Selfie” machen. Konkret: Instagram-App starten, Arm leicht anwinkeln und seitlich nach oben strecken (Doppelkinn um jeden Preis vermeiden!), Hundeblick aufsetzen und Knipsen. Dann noch die Bildunterschrift tippen, Hashtag (#selfie) hinzufügen, den passenden Retro-Filter auswählen und Share drücken. Und schon ist die Foto-Community um ein Selfie reicher, man selbst ist Teil einer der am schnellsten wachsenden Communities in der Mobilwelt.

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Was ist das Erfolgsrezept von Instagram?

Instagram: Die Fakten

Instagram ist eine kostenlose Mobil-Applikation, mit der Fotos und bis zu 15 Sekunden lange Videos über ein Smartphone aufgenommen, bearbeitet und innerhalb der Community – sowie auch darüber hinaus – geteilt werden können. Die Bearbeitung erfolgt mit vorgefertigten Farb-Filtern, die einfach über das Bild gelegt werden und so die Aufnahme z.B. im Retro-Look erscheinen lassen. Andere Instagram-Benutzer können die hochgeladenen Fotos liken und kommentieren. Dank der einfachen technischen Integration von Instagram in andere soziale Netzwerke, ist es den Anwendern möglich, ihre geteilten Aufnahmen über Facebook, Twitter und Co. zu verbreiten. Instagram kam am 6. Oktober 2010 auf den Markt und zählte zwei Monate nach Launch bereits eine Millionen Mitglieder. Im April 2012 verkauften die beiden Entwickler Kevin Systrom und Mike Krieger ihre Plattform zum Preis von rund einer Milliarde Dollar an Facebook. Derzeit verfügt Instagram über etwa 200 Millionen Nutzer. Seit dem Launch der App wurden insgesamt 20 Milliarden Fotos hochgeladen, im Schnitt kommen jeden Tag 60 Millionen neue dazu. Privatpersonen verwenden Instagram zumeist als visuelles Tagebuch. Unternehmen und Berühmtheiten hingegen benutzen das Netzwerk hauptsächlich als Instrument zur Image- und Markenpflege.

Im Prinzip hat Gründer Kevin Systrom mit dem Hochladen von Bildern in soziale Netzwerke das Rad nicht neu erfunden, er hat das Spiel mit den Bildern nur auf die Spitze getrieben und es zu einem Erfolgsmodell gemacht. Die uralte Floskel “Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte” gilt auch heute, insbesondere in der Online-Welt. Kaum etwas spricht den User mehr an als coole Aufnahmen, witzige Selfies und originelle Schnappschüsse. Das haben auch einige Social Media Unternehmen aus dem Silicon Valley erkannt und die Kommunikation über Bilder zum Geschäftsprinzip erkoren, allen voran die Plattform Instagram.

Der besondere Mehrwert des Foto-Dienstes liegt in der Bildbearbeitung mit Filtern, die selbst langweilige Schnappschüsse im Handumdrehen aufwerten: Damit können Fotos – und inzwischen auch bis zu 15 Sekunden lange Videos – mit einem einzigen Klick eingefärbt werden, zum Beispiel mit nostalgisch anmutenden Retro-Effekten und Analogfotografie-Tönen. Fakt ist, dass die Filter die Fotos anders aussehen lassen und diese sich von der Masse der ins Netz gestellten Fotos deutlich unterscheiden. Erfinder Kevin Systrom selbst sieht den Erfolg der Plattform vor allem darin begründet, dass Instagram zwei elementare Dinge miteinander kombiniert: Zum einen die große Lust vieler Menschen am Fotografieren und zum anderen die spezielle Begeisterung für analoge Fotografie. Instagram vereint diese beiden Faktoren in einer simplen und für jedermann leicht zugänglichen App.

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Das (Social) Web wird visueller – was sind die Gründe dafür?

Mit dem Aufkommen von Instagram oder vergleichbaren Foto-Netzwerken hat die visuelle Kommunikation eine neue Dimension erreicht. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes kaum mehr zu übersehen: Bilder (und auch Videos) ersetzen immer häufiger Text – ein Hype, der nicht mehr aufzuhalten ist und sich inzwischen auch in anderen Bereichen der Online-Kommunikation bemerkbar macht (z.B. bei Online-Nachrichten-Angeboten). Wie kommt es zu diesem explosionsartigen Anstieg von Bildern? Für die t3n-Medienexperten Björn Eichstädt und Katrin Kuch ist die Bildrevolution “eigentlich nur der Fluchtpunkt technologischer und kommunikativer Entwicklungen”. Technologisch meint hier, dass immer leistungsfähigere Smartphones mit immer besseren Kameras und optimierte mobile Bandbreiten den visuellen Kommunikationsboom zusätzlich antreiben. Aus kommunikativer Sicht ist er durch die Tatsache bedingt, dass Sprachgrenzen mit Hilfe von Bildern deutlich besser überwunden werden können als mit reinen Textbeiträgen. Das gilt umso mehr für globale Online-Communities wie z.B. Facebook. Zudem zeigen Studien, dass man mit Bildinhalten auf Facebook höhere Viralitätswerte erreicht – soll heißen: Bilder werden deutlich häufiger geteilt und kommentiert als reine Textbeiträge. Der User präferiert die Informationen, die aus der täglichen Meldungs- und Informationsflut hervorstechen und besonders schnell verarbeitet werden können. Bildinhalte können dies hervorragend leisten – nicht umsonst sagt der Marketingforscher und Bildexperte Prof. Dr. Werner Kroeber-Riel: “Bilder sind schnelle Schüsse ins Gehirn”. Sie werden bei kürzesten Darbietungszeiten erfasst und vermitteln Informationen deutlich schneller als Texte. Denn: Bildinhalte werden als Ganzes (d.h. parallel) verarbeitet und nicht wie Textinhalte in kleineren Einheiten (d.h. sequentiell), die sich erst später zu einem Ganzen zusammenfügen.

Faktencheck: Die nackten Zahlen

Monatlich nutzen mittlerweile rund 200 Millionen Menschen Instagram. Im vergangenen Jahr war das Netzwerk die am schnellsten wachsende Social Media Plattform und konnte zwischen dem zweiten und vierten Quartal einen Anstieg von 23 Prozent an aktiven Nutzern verzeichnen. Und gerade hier unterscheidet sich die Plattform von vielen anderen Social Media Formaten: Fast nirgends sind die Mitglieder so aktiv wie auf Instagram. Seit dem Launch der App wurden insgesamt etwa 20 Milliarden Fotos hochgeladen, jeden Tag kommen im Schnitt 60 Millionen dazu. Auch in Deutschland erfreut sich Instagram großer Beliebtheit: Laut einer aktuellen Studie haben etwa sechs Prozent aller Internetnutzer ein Instagram-Profil, die Hälfte davon kann zu den monatlich aktiven Mitgliedern gezählt werden. Unter Bezugnahme der aktuellen Statistik über die Zahl der deutschen Internetnutzer kommt man auf circa 3,7 Millionen aktive Instagram-Anwender.

Unter allen Instagram-Nutzern steigt auch die Anzahl der Unternehmen, die das Bilderportal für ihre PR und ihr Marketing nutzen. Gut zwei Drittel der Interbrand Top 100 Marken weltweit besitzen bereits ein Profil, Tendenz steigend: Denn Instagram ist eine attraktive Kommunikationsplattform, mit der sich Produkte, Themen und Marke hervorragend inszenieren lassen – und das auf ganz authentische, emotionale, unterhaltsame und verständliche Weise.

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Erfolgsfaktor Mobilität

Der Dienst ist auch deshalb so erfolgreich, weil er von der ersten Stunde an ausschließlich für die Mobile-Generation programmiert war. Hintergrund: Immer mehr Menschen greifen via Smartphones auf soziale Netzwerke zu. Instagram profitiert in hohem Maße vom Trend zur mobilen Internet-Nutzung. Und genau darin liegt der große Nutzen für Unternehmen, das Bildportal einzusetzen. Getreu dem Motto “go where the audience is” erreichen Unternehmen hier eine Nutzergruppe, die sie über traditionelle (und nicht-mobilfreundliche) Kommunikationsmittel und -medien vielleicht schon längst nicht mehr erreichen. Unternehmen haben erkannt, dass ihre Zielgruppen künftig immer seltener den direkten Weg zu ihnen – d.h. zu ihren Webseiten – suchen. Warum also nicht dorthin gehen, wo ihre Kernklientel ohnehin täglich aktiv sind – zum Beispiel in den sozialen Netzwerken.

Die mobile Nutzung von Instagram ist dabei ideal an die veränderten Konsumgewohnheiten angepasst. Der Smartphone-sozialisierte Digital Native hat inzwischen eine Aufmerksamkeitsspanne von nur wenigen Sekunden – perfekt für Instagram, wo Botschaften dank Bildern und Videos in Sekunden konsumiert und verstanden werden. Auch diese Entwicklung mag dem populären Foto-Dienst in die Karten spielen.

Facebook ist kein Mobile-First-Unternehmen, Instagram schon

Zeitgleich gibt es Anzeichen für einen allgemeinen Nutzungswandel, zumindest bei den jüngeren Zielgruppen: Weg von den Komplett- und Universalpaketen wie Facebook hin zu spezialisierten Diensten wie Instagram, Snapchat und WhatsApp. Offenbar goutieren die Nutzer solcher Apps ihre besondere Mobilfreundlichkeit, die Einfachheit in der Bedienung und die Tatsache, dass man auf solchen Anwendungen bislang wenig oder gar keine Werbung zu sehen bekommt. Insbesondere dieser übergeordnete Trend pusht das Community-Wachstum von Instagram.

Doch Facebook zeigt sich zunehmend trendbewusst und vollzieht einen regelrechten Turnaround: 68% der Mitglieder nutzen das Netzwerk mittlerweile über mobile Endgeräte, Tendenz steigend. Die Folge: gerade beim einstigen Sorgenkind, dem Mobile-Bereich, verzeichnete Facebook jüngst einen kräftigen Umsatzanstieg. Den größten Coup landete das Unternehmen aber mit den spektakulären Zukäufen von Instagram und WhatsApp.

Denn selbst wenn die Nutzer nun zu spezialisierten Diensten abwandern, sind sie dennoch – zumindest indirekt – Teil des größten Online-Netzwerkes. Nur Snapchat bleibt hartnäckig – die Messaging-App hatte Ende letzten Jahres das Milliarden-Angebot von Facebook abgelehnt. Damit bleibt diese starke Mobile-Community vorerst unter sich.

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Manager Online / Social Media

Oliver Nermerich ist Kommunikationswissenschaftler und lebt im Internet. Bei OSK arbeitet er als Manager Online/Social Media und entwickelt kundenübergreifend Strategien, Auftritte und Kampagnen für das Internet und mobile Anwendungen. Auch privat dreht sich bei ihm alles um die digitale Welt: Er gehört zum Autorenteam des Lifestyle-Blogs Whudat.de und betreibt mit Freunden das Rolling-Magazin "Be-Mag". Sein Smartphone gibt er nur aus der Hand, wenn er auf sein Board steigt und an der Algarve die nächste Welle surft. Für das OSK Blog spürt er die neuesten Trends und Entwicklungen im Netz auf und spricht mit Meinungsmachern und Digital Influencern.

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