//Vero: Ist die Hype-App das neue Instagram?

Vero Titel

Bild: Vero

Wahrhaftig, ehrlich, neu. Das alles und noch viel mehr zu sein, hat die App Vero sich auf die Fahnen geschrieben. Ihre Grundsätze sind in nicht weniger als einem Manifest zusammengefasst. Die Mission: authentisches „Sharing, Connecting and Creating“. Ein soziales Netzwerk soll entstehen, das nah an das Leben seiner Nutzer herankommt – „less social media, more social life“. Vero will Menschen ermöglichen, eine „geschützte, echte Abbildung ihrer realen Beziehungen in einem Online-Umfeld erweitern zu können“. Seit Kurzem gibt es einen regelrechten Hype um die App. Wir haben uns Vero daher genauer angeschaut.


Seit der Gründung im Jahr 2015 plant Vero, der neue Stern am Social-Media-Himmel zu werden. Bisher konnte die App keinen disruptiven Charakter entfalten und die Erfolgsgeschichten der Wettbewerber weder stören noch sie vom Markt verdrängen. Laut Google Play Store wurde die Betaversion 100.000-mal heruntergeladen (Stand 26. Februar 2018). Ein Blick auf die Zahlen bei Instagram und Facebook (jeweils über eine Milliarde Nutzer) macht klar, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen.

MUSIC - Vero

Bild: Vero
Warten auf den Durchbruch

Dass sich der Chef und Mitgründer Ayman Hariri viel Zeit lässt, mag auch darin begründet sein, dass er ein milliardenschweres Vermögen im Rücken hat und nicht vom schnellen Erfolg getrieben ist. Dennoch lässt es einen etwas ratlos zurück, dass Vero hierzulande recht unbekannt ist und bis vor Kurzem in der deutschen Medienlandschaft kaum Beachtung gefunden hat. Spekulationen zufolge ist der jüngste Hype Ergebnis einer Influencer-Kampagne.

Der jüngste Nutzeransturm könnte zusätzlich dadurch ausgelöst worden sein, dass Vero bislang nichts kostet und User mit dem Angebot lockte, für die erste Million Anmelder stets kostenfrei zu bleiben. Anfang März hat das Unternehmen dieses Angebot auf unbestimmte Zeit ausgeweitet, da es wegen der extrem hohen Nutzeranfragen zu technischen Problemen kam. Denn einige User erhielten teilweise keinen Zugriff auf den Download.

Wie funktioniert Vero?

Auf Vero werden Inhalte in sechs Kategorien – Links, Bilder, Videos, Musik, Bücher und Orte – und in sogenannte Collections einsortiert. Das soll die Kommunikation ordnen und die Auffindbarkeit der geteilten Inhalte erleichtern. Eine Gemeinsamkeit mit Facebook ist, dass man bestimmen kann, mit welcher Gruppe man Inhalte teilt: enge Freunde, Freunde, Bekannte oder Follower.

Vero iPhone-CreatePost

Bild: Vero
Der Dienst bietet zudem Filter zur Bildbearbeitung und eine Chatfunktion. Reine Textposts sind nicht möglich. Darüber hinaus kann man nach Hashtags, Profilen oder Personen suchen. Im Design, das von dunklen Farbtönen dominiert wird, unterscheidet sich Vero deutlich von anderen Plattformen.

Ehrlich anders?

Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist, dass Vero ohne Algorithmen und Data Mining auskommt. Die Beiträge der User, mit denen man verbunden ist, erscheinen in der Reihenfolge, in der sie gepostet wurden. Inhalte werden nicht von einem Algorithmus gelenkt. Sie werden nicht nach oben gespült, weil der Beitrag finanziell gepusht wurde oder der Algorithmus ihn als wichtiger einstuft. Die App mache überraschend viel Spaß, freut sich Bloggerin Sarah Koepf, die Vero künftig auch für ihre Blogposts nutzen will. Es gebe keinen Druck, keinen Algorithmus und auch sonst keine weiteren Vorgaben, auf die man achten müsse.

Vero als Marketingplattform

Es stellt sich die Frage, wie sich die App langfristig tragen will und ob sie sich nicht irgendwann doch über Werbung und Daten wird finanzieren müssen. Derzeit ist geplant, eine Nutzungsgebühr zu erheben sowie über Affiliate Links Geld zu verdienen.

Laut Mitgründer Hariri sollte ein soziales Netzwerk auch eine Plattform für E-Commerce sein. Die Commerce-Ebene auf Vero soll die Grenze zwischen der Privatheit eines sozialen Netzwerks und der Kommerzialisierung durch den Online-Handel aufheben. Unternehmen können einen Produktkatalog einstellen und eine siebte Kategorie nutzen, den sogenannten Produkt-Post. In Online-Shops innerhalb der App können Produkte direkt vertrieben werden. Vero wird mit einer Provision beteiligt. Auch prominente Persönlichkeiten und Influencer könnten die App kommerziell nutzen.

Die „Produkt-Posts“ sieht man nur, wenn man einer Marke folgt. Unternehmen können sich demnach sicher sein, weitgehend „freiwillig“ beachtet zu werden. Die Gefahr, Nutzer mit Werbung zu stören, wird so deutlich geringer. Diese Commerce-Ebene unterscheidet Vero signifikant von Facebook und Instagram.

Vero iPhone-Recommend

Bild: Vero
Das Leben ergänzen, nicht manipulieren

Dass Vero jetzt verstärkt Erfolg hat, könnte daran liegen, dass die Zeit für eine solche Plattform gekommen ist. Immer mehr Menschen sind verunsichert oder genervt von den etablierten Kanälen. Sie sind es leid, dass Facebook, Instagram und Twitter ständig ihren Algorithmus verändern, es keine nachvollziehbare Timeline mehr gibt und User immer mehr zum Produkt werden. Ihr Wert bemisst sich über die Daten, die sie generieren, um an den Meistbietenden verkauft zu werden.

„Wir kuratieren nicht, manipulieren nicht, blenden keine Werbung ein und halten keine Posts zurück. Sie sehen, was mit ihnen geteilt wurde, dann, wenn es geteilt worden ist“, lautet das Versprechen. Sollte es dabei bleiben und es gelingen, eine kritische Masse zu erreichen, könnte die App Dynamik genug gewinnen, um eine Alternative zu Facebook zu sein. Der wesentliche Unterschied und entscheidende Mehrwert könnte darin bestehen, dass auf Algorithmen, Data Mining und Werbung verzichtet wird.

Wie es im Manifest heißt, ist mit der Zeit das Gleichgewicht zwischen den Interessen der Nutzer und den Plattformen verloren gegangen. Vero will dieses Gleichgewicht wiederherstellen. Dennoch ist es ratsam, den ersten Hype abzuwarten. Erst dann wird sich zeigen, ob die App nachhaltig erfolgreich sein wird.

Vero iPhone-Chat

Bild: Vero
 

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Online-Redakteur

Carsten Christian ist studierter Journalist und Kommunikationswissenschaftler, seinen Master-Abschluss hat er an der Uni Hamburg gemacht. Bevor er zur Agentur kam, war der Digital Native mehr als zwei Jahre für die Online- und Print-Ausgabe der Ruhr Nachrichten im Einsatz. Bei OSK arbeitet er als Online und Social Media-Redakteur, auf dem Agentur-Blog schreibt Carsten über den Medienwandel und Trends im Bereich Mobile und (Online-)Video. Privat verfolgt er Neuigkeiten in der Videospiel- und Gaming-Szene, schaut gerne Let's-Plays auf YouTube und greift auch selbst zu Maus und Gamepad.

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