„Brauchen wir wirklich noch mehr soziale Netzwerke?“ Diese Frage stellten sich viele, als Jodel im Herbst 2014 gegründet wurde. Dreieinhalb Jahre später lautet die Antwort augenscheinlich: Ja! Denn mittlerweile erreicht die App ein Millionenpublikum.

Der Gedanke der App ist es, es Studenten zu ermöglichen, sich auf einfache Weise miteinander zu verknüpfen. Der Community-Gedanke stand hierbei im Vordergrund, Werbanzeigen konnte man bislang nicht schalten. Das Unternehmen lebte ausschließlich von dem Geld seiner Investoren. Jetzt aber sollen zusätzliche Einnahmequellen her. Wie OMR.de und die Nürnberger Marketingagentur VariFast berichten, hat Jodel nun erste Werbeverträge abgeschlossen. Unter anderem mit dem Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland sowie Spotify.

Doch ob das Netzwerk vorher wirklich werbefrei war, bleibt fraglich. Möglicherweise war Werbung bislang nicht als solche gekennzeichnet. So gibt es etwa Posts, sogenannte Jodel,, die nach konkreten Produkten fragen und damit durchaus werblich sein könnten. Ein Beispiel: „Welche Hautpflegeprodukte verwendet ihr?“ Ob dies der Versuch eines Unternehmens ist, mit der Frage und den dazugehörigen Kommentaren eigene Produkte zu platzieren, oder wirklich das Einzelinteresse eines privaten Nutzers Anlass des Jodels ist, bleibt offen. Diese Deutungsmöglichkeiten gibt es bei nahezu allen Jodeln, die Produkte oder Veranstaltungen thematisieren.

 

 

Jodel 1

Bild: Jodel
„Native Advertising“ – oder zu Deutsch: Werbung im bekannten Umfeld – bietet sich, dank der Anonymität, auf Jodel an. Unternehmen können werben, ohne für Werbefläche zu zahlen, auf einer Plattform, die bisher keine Werbefläche bot.

Gegründet wurde Jodel von Alessio Borgmeyer, ehemaliger Student der RWTH Aachen. Zusammen mit Freunden verteilte er Flyer an verschiedenen Universitäten Deutschlands, um die App erstmals zu promoten. Der heutige Slogan „The Buzz On Your Campus!“ beschreibt, warum die App häufig als „Studenten-App“ bezeichnet und überwiegend von jungen Akademikern genutzt wird. Der Aufbau der App ist simpel: Sie ermöglicht ihren Usern, anonymisierte Beiträge zu veröffentlichen, die in einem Umkreis von zehn Kilometern für andere Nutzer sichtbar sind. Das Netzwerk ist komplett anonymisiert – eine Option auf einen Nutzernamen gibt es nicht.

 

Jodel Alessio Avellan

 Alessio Borgmeyer, Bild: Jodel
Inhaltlich ist Jodel breit aufgestellt: Es geht um Alltagsbeobachtungen, das Studium oder um einfache Scherze. Manchmal sind aber auch ganz große Geschichten dabei. So postete ein junger Nutzer in Mainz einen Aufruf, in dem er um Hilfe für einen Obdachlosen bat, den er im Krankenhaus kennengelernt hatte. Eine Antwort der Jodel-Community ließ nicht lange auf sich warten. Binnen kurzer Zeit sammelten die Nutzer Spenden im Wert von rund 7.000 Euro. Heute hat der ehemalige Obdachlose nicht nur eine Wohnung, sondern auch einen Job.

Als aufstrebende Plattform dürfte Jodel für viele Unternehmen als Werbefläche interessant sein. Durch die Abschlüsse der ersten Kooperationsverträge wird das Interesse mitunter schnell steigen.

// Über den Autor

Portrait_Max_kleinMaximilian Schrott ist 22 Jahre alt und hat zuletzt ein dreimonatiges Praktikum in der Social-Media-Abteilung von OSK absolviert. Auch privat beschäftigt er sich intensiv mit sozialen Netzwerken. So leitet er unter anderem gemeinsam mit Freunden die Facebook-Seite Geißbocks Eleven.

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.