//“Der Text-Roboter wird zum Kollegen” – Dr. Christoph Kucklick zur Zukunft des Journalismus

Christoph Kucklick_kleinSeine Beziehung zur Digitalisierung beschrieb Dr. Christoph Kucklick in einem taz-Interview einmal so: „Ich bin endlos fasziniert – und endlos erschrocken.“ Denn auf der einen Seite, so beschreibt es der Chefredakteur des Reportagemagazins Geo, würde sich durch die technischen Entwicklungen vieles im Leben der Menschen verbessern. Andererseits erschrecke er darüber, wie sehr die Digitalisierung die Gesellschaft überfordere und vor den vielen derzeit noch unlösbaren Fragen, die sie aufwerfe. Wie der digitale Wandel sich auf den Journalismus und damit natürlich auf die Gesellschaft als Ganzes auswirkt, erzählt der Journalist im OSK-Interview zur Zukunft des Journalismus.

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//„Hoffen und Wünschen ist nicht genug“ – Madhav Chinnappa zur Zukunft des Journalismus

MC picture kleinWann Google News gegründet wurde? Madhav Chinnappa weiß es selbst nicht ganz genau. Daraus macht der Head of Strategic Relations, News and Publishers im Gespräch mit OSK keinen Hehl. „Moment, ich google es“, sagt Chinnappa und lacht. Dann entschuldigt er sich freundlich. Seine Expertise macht den 44-Jährigen interessant, die ungekünstelte Art zu sprechen sympathisch. Und dass es Google News im Entwicklungsstadium seit 2002, final seit 2006 gibt, lässt sich ja schnell recherchieren. Schließlich gehört die Seite, ungehindert der Kritik in puncto Leistungsschutzrecht, zu den innovativsten unserer Zeit.

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//„Der Durchschnitt wird unter Druck geraten“ – Sebastian Turner zur Zukunft des Journalismus

sebastian-turner-kleinUnternehmer, Gründer des medium magazins, ehemaliger Oberbürgermeisterkandidat von Stuttgart – das alles sind Stationen im Leben von Sebastian Turner. Er ist es auch, der hinter der Wiederbelebung des bekannten FAZ-Claims „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ steht. Seit Anfang 2014 ist Turner Gesellschafter und – neben ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo – Herausgeber des Tagesspiegel in Berlin. Der 49-Jährige erwarb zum 1. Januar 2014 zwanzig Prozent der Gesellschaftsanteile an der Tagesspiegel-Gruppe (GMZ) und ist nun Teil des hart umkämpften Berliner Tageszeitungsmarkts. Eine Herausforderung für Turner, denn die Auflagen der Berliner Blätter sinken seit Jahren, dazu kommt das „vergleichsweise niedrige Haushaltseinkommen der Hauptstädter“, wie Spiegel Online schreibt. Turner erkannte, dass der Tagesspiegel ein erweitertes Konzept braucht: „Durch die Digitalisierung haben die Leser alles ständig verfügbar. Da braucht uns am Ende kein Mensch mehr, wenn wir nichts Eigenes und Besonderes bieten.“ Das Vorhaben: Der Tagesspiegel soll den beiden großen Premium-Entscheidergruppen in der Hauptstadt, der Bundespolitik und den bundesweiten Meinungsbildnern, mehr bieten. Ein Konzept, das aufzugehen scheint. Der Tagesspiegel ist laut Turner erstmals die auflagenstärkste Qualitätszeitung in Berlin und gewinnt deutlich an Reichweite. Im OSK-Interview zur Zukunft des Journalismus zeigt sich, dass er immer noch derselben Meinung ist, wenn es darum geht, dass Medien sich der Schnelllebigkeit des Netzes anpassen müssen: „Durchsetzen wird sich das Schnelle und das Gute, unter Druck kommt das Langsame und das Durchschnittliche.“ Außerdem geht Sebastian Turner auf die Rolle ein, die der Fortschritt der Technik zukünftig für Redakteure spielen wird.

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//„Das Smartphone muss der beste Freund des Journalisten werden“ – Henrik Neumann zur Zukunft des Journalismus

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© Marten Berg„Bespuckt, beschimpft, beleidigt“ – so beschreibt Henrik Neumann seine Erfahrungen, die er während seiner Arbeit für DIE WELT als Video-Journalist gesammelt hat. Oft sei er auf Widerstand gestoßen, von Menschen, denen seine hintergründige Berichterstattung nicht passte. Passiert ist das dem Redakteur seit seinem Start bei DIE WELT im Januar 2014 häufig genug. Doch gerade bei Geschichten, die sich wirklich lohnen, sei er bisher immer auf Gegenwehr gestoßen. Dies habe ihm gezeigt, dass er auf der richtigen Spur sei. „Manchmal muss es weh tun, bis Menschen dir erzählen, was ihnen weh tut“, so der Journalist.

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//„Öffnet die Küchen!“ – Daniel Bröckerhoff zur Zukunft des Journalismus

© : Daryl William Collins„Rausgehen und gesehen werden.“ Diesen Rat gibt Daniel Bröckerhoff jungen Kollegen, die im Journalismus Fuß fassen wollen. Denn Erfolg sei auch eine Frage von Engagement, von „Bock“, sagt der freie Journalist, Autor und Blogger. Seit April 2015 moderiert Bröckerhoff die interaktive Nachrichtensendung „heute+“. Studiert hat der Journalist in Hamburg Volkskunde. Danach gings an die RTL Journalistenschule. Seit seinem Abschluss 2009 arbeitet er als Freiberufler, war unter anderem als Autor für das Medien-Magazin „ZAPP“, als Reporter für die Sendung „Klub Konkret“ und als Regisseur bei „ZDF.reporter unterwegs“ tätig. Dabei gab es eine Zeit lang noch eine Alternative zum Journalismus: Musiker und Schauspieler. Doch der Wunsch, in die Medien zu gehen, war stärker. Schließlich nahm Bröckerhoff bereits als kleines Kind seine erste „Radiosendung“ auf seinem Kassettenrekorder auf. Ganz aufgegeben hat er die Musik aber nicht. In seiner Freizeit spielt der Wahlhamburger Samba-Percussion in einer Sambaschule.

Soziale Netzwerke sind für Daniel Bröckerhoff eine ideale Möglichkeit, um in der Masse des Angebots sichtbar zu werden, aber vor allem, um sich mit seinem Publikum auszutauschen. Diese Lust, sich mit den Nutzern auseinanderzusetzen, fehle ihm aber bei vielen Journalisten noch. Doch genau aus dieser Richtung kämen starke Impulse für Geschichten, sagt Bröckerhoff im OSK-Interview. Außerdem erklärt er, was Medienunternehmen von Google und Apple lernen können und wie wichtig es für Journalisten ist, zur Marke zu werden.

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//„Vieles wird personalisiert und geolokalisiert sein“ – Philipp Ostrop zur Zukunft des Journalismus

philipp-ostrop-klein„Es gab nie spannendere Zeiten im Journalismus als jetzt“, behauptet Philipp Ostrop (35), seit Sommer 2014 Leiter digitale Inhalte und Mitglied der Chefredaktion der Ruhr Nachrichten. Zuvor führte er bei der Tageszeitung für das Ruhrgebiet drei Jahre die Stadtredaktion Dortmund, ab 2007 hatte er einen regionalen Newsdesk aufgebaut und geleitet. Eingestiegen war Ostrop bei den Ruhr Nachrichten im Frühjahr 2003 als Redakteur in der Mantelredaktion. Erste journalistische Gehversuche unternahm er bereits während seiner Abiturzeit bei einer Lokalzeitung. Weil ihm Arbeit und Atmosphäre gut gefielen, entschied er sich nach dem Abi gegen ein Studium. Stattdessen machte er ein Praktikum bei einer TV-Produktionsfirma in Köln, für die er dann auch auf freier Basis arbeitete, bis er sein Volontariat bei den Ruhr Nachrichten antreten konnte – mit viel Glück, wie er sagt.

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//“Trends kann nur setzen, wer Bedürfnisse erkennt” – Anja Stöcker zur Zukunft des Journalismus

© Deutschlandradio Sich selbst sieht sie mehr als Digitalstrategin denn als Journalistin im streng klassischen Sinne: Anja Stöcker, seit März 2013 Redaktionschefin Online und Social Media bei DRadio Wissen in Köln, hat an vorderster Front den Relaunch nebst begleitenden Social-Media-Aktivitäten für das dritte Programm des öffentlich-rechtlichen Deutschlandradios vorangetrieben. Im Februar 2014 gingen das On-Air-Update und die neue Webseite von DRadio Wissen online. Mit prämierungswürdigem Ergebnis – in der Kategorie Webmagazin gab es dafür im September eine Lead Award-Auszeichnung. OSK hat mit Anja Stöcker über die Entwicklung des Journalismus gesprochen.

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//“Wir müssen uns neu sortieren” – Alexander von Streit zur Zukunft des Journalismus

© Jan Frommel

Was mit ersten Gehversuchen nach dem Abitur begann, wurde für Alexander von Streit, Mitbegründer und Chefredakteur des Online-Magazins Krautreporter, schnell zur Passion und zu einer Aufgabe: Journalismus – mit starkem Hang zum Digitalen und zum Experimentieren. Neben seiner journalistischen Arbeit machte von Streit (Jahrgang 1970) an der Universität München seinen Magister in Politik, Soziologie und Sozialpsychologie. Er volontierte bei der Frankfurter Rundschau und schrieb anschließend mehrere Jahre als Autor und Kolumnist zu Themen rund um Medien, Gesellschaft und Internet, u.a. für die Rundschau, das Medium Magazin, Focus Online, Spiegel Online und den Stern. 2004 ging Alexander von Streit als Chefredakteur zum Medienmagazin Cover, im Juni 2006 übernahm er dann bei Focus Online die Leitung des Ressorts „Digital“. Ab 2012 bis Ende 2013 war von Streit zudem Chefredakteur bei Wired Deutschland.

Anfang 2014 schien es dann an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Denn: „Wenn wir Journalismus weiterhin so denken, wie er in der Vergangenheit richtig war, und ihn lediglich in dieser Form in den digitalen Raum übertragen wollen, bekommen wir das nicht hin“, ist Alexander von Streit überzeugt. In diesem Sinne nahm er als Chefredakteur von Krautreporter zusammen mit seinen Mitgründern Sebastian Esser (Herausgeber) und Philipp Schwörbel (Geschäftsführer) – begleitet von großem medialem Interesse – eines der bisher größten journalistischen Crowdfunding-Projekte in Angriff. Ziel: Dem Journalismus auf unkonventionellen Wegen ein neues Gesicht geben. Für von Streit der logische nächste Schritt, nachdem er sich bereits im Herbst 2011 an der Gründung des gemeinnützigen Journalismus-Think-Tanks und Medienportals vocer.org beteiligt hatte, dessen Herausgeber er heute noch ist.

Vor gut einem Jahr wurde die Funding-Phase für Krautreporter erfolgreich beendet. Die Redaktion mit Sitz in Berlin nahm zusammen mit einer Reihe von Autoren die journalistische Arbeit auf. Im September 2014 startete das Online-Magazin als Beta-Version für die zahlenden Mitglieder, am 24. Oktober folgte die offizielle Online-Freischaltung. Momentan befindet sich das Projekt im Umbruch – so hat Mit-Autor Stefan Niggemeier auf seinem Blog angekündigt, Krautreporter zu verlassen. In nächster Zeit muss sich zeigen, ob und in welcher Form die Plattform weiterlaufen kann. Insbesondere die deutschsprachige Medienwelt verfolgt das journalistische Experiment mit großem Interesse, hat es doch exemplarischen Charakter für die gesamte Branche in Bezug auf neue Ansätze und mutige Finanzierungskonzepte.

Im Interview nimmt Alexander von Streit das Spannungsfeld zwischen Technologieunternehmen, Start-ups und Medienhäusern in der neuen, zunehmend digitalen Kommunikationswelt ins Visier. Zudem geht er auf die Notwendigkeit von Experimenten, den Dialog mit dem Publikum und die Monetarisierung journalistischer Angebote ein.

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//“Das Problem sind die Bedingungen” – Ralf Heimann zur Zukunft des Journalismus

© Katrin HesseZehn Jahre lang war Ralf Heimann Lokaljournalist, dann zog er einen Strich darunter. Irgendwann, so erklärt er auf seinem Blog Operation Harakiri, habe er angefangen, darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn er nicht mehr für die Zeitung arbeiten würde. Wenn sich in seinem Leben etwas ändern würde.

Auf seinem Blog schreibt Heimann über seinen Ausstieg aus dem Lokaljournalismus und über das, was im Journalismus seiner Meinung nach schiefläuft. Zur Zeitung kam er nach seinem VWL-Studium, relativ spät, mit 27 Jahren. Er machte ein Volontariat bei den Ruhr Nachrichten und war danach sieben Jahre lang Redakteur bei der Münsterschen Zeitung. Unter anderem löste er dort mit einem Tweet über einen Blumenkübel einen Internet-Hype aus. 2014 kündigte Heimann, um als freier Journalist und Autor zu arbeiten. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet der 38-Jährige unter anderem für SPIEGEL ONLINE, das SZ-Magazin und Wired Germany. Über die Erlebnisse eines Reporters auf dem Land verfasste er das satirische Buch „Die tote Kuh kommt morgen rein“. Im September erscheint die Missgeschicke-Sammlung „Lepragruppe hat sich aufgelöst – Perlen des Lokaljournalismus“, die er zusammen mit Jörg Homering-Elsner herausgibt.

Im Interview erklärt Ralf Heimann, warum einer der wichtigsten Trends im Journalismus nur indirekt mit Technik zu tun hat und warum es für einige Medienhäuser wahrscheinlich keine Rettung geben wird.

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//“Wir werden eine lebendige Siri in der Hosentasche haben” – Peter Pauls zur Zukunft des Journalismus

Peter Pauls klein Angefangen hat für Peter Pauls alles in der Umbruchredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers, zu Zeiten des Bleisatzes. Dort hat er während seines Studiums gearbeitet. Heute ist Pauls Chefredakteur des Stadt-Anzeigers, wohl eine der wichtigsten Tageszeitungen im Großraum Köln. Prägend, so sagt er, sei vor allem seine Zeit als Lokalredakteur gewesen. „In jedem Bereich, in dem ich später gearbeitet habe, egal ob als Auslandskorrespondent, Politikchef oder Chefredakteur, ist mir meine Zeit als Lokalredakteur begegnet.“ Seine gesamte bisherige journalistische Laufbahn absolvierte der heute 62-Jährige beim Kölner Stadt-Anzeiger. „Ich hatte das Privileg, dass ich bei dieser Zeitung wirklich alles machen durfte.“ Sieben Jahre war Pauls die rechte Hand von Herausgeber Prof. Alfred Neven DuMont. Eine Zeit, in der er ungemein viel gelernt habe, auch über die wirtschaftliche Seite des Berufs.

Schon in jungen Jahren engagierte er sich bei der Zeitung seiner Schule. „Ich war immer schon der Meinung, wenn ich etwas schreibe, sollten andere Menschen das auch ruhig lesen können.“ Studiert hat Pauls Germanistik und Sozialwissenschaften, ab 1980 volontierte er beim Stadt-Anzeiger. Im Anschluss war er Redakteur in Bergisch Gladbach, dann stellvertretender Lokalchef. Später wechselte der Journalist ins Politikressort, das er ab 1993 leitete. Es folgte eine Zeit im Ausland – Pauls war drei Jahre lang Afrika-Korrespondent –, bevor er 1999 nach Köln zurückkehrte. Seit 2009 ist er Chefredakteur des Stadt-Anzeigers. Unter seiner Leitung führte das Haus 2013 einen neuen Newsdesk ein, für den die Redaktionsstruktur umgekrempelt wurde. Die Arbeit von Print und Online sollte enger miteinander vernetzt sein. Denn lange seien die Online-Angebote kein gleichberechtigter Bestandteil der täglichen redaktionellen Entscheidungen gewesen, wie Pauls in einem Interview mit dem Magazin „drehscheibe“ erklärt. Bei der Eröffnung machte sich NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ein Bild der neuen Nachrichtenzentrale, kurze Zeit später auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Interview erklärt Peter Pauls, warum Medienhäuser sich auf lange Sicht mit anderen zusammenschließen müssen und welche Vorteile lokale Nachrichtenanbieter in der Informationsflut haben.

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