//“Das Internet ist eine Hydra” – Richard Gutjahr über den Medienwandel

Titelbild 2 Richard Gutjahr

Alte gegen neue Medienwelt – das ist der Kampf, der noch immer in den Köpfen vieler Journalisten ausgetragen wird. Dass dieses „Gegeneinander“ keine Notwendigkeit ist, sondern ebenso gut ein „Miteinander“ sein kann, beweist Richard Gutjahr. Der Journalist und Blogger vereint beide Welten. Auf der einen Seite in den klassischen Medien ausgebildet, arbeitet er unter anderem als freier Mitarbeiter für die ARD, moderiert Nachrichten- und Magazinsendungen beim BR und WDR. Auf der anderen Seite ist Richard Gutjahr im Netz und den sozialen Medien zu Hause. Er gehörte in Deutschland zu den ersten Journalisten, die sich intensiv mit Snapchat auseinandergesetzt haben. Der Medienexperte nutzt die App aktiv als Kommunikationskanal, sein Smartphone hat er immer griffbereit. Vor dem Interview ergibt sich auf unserer Dachterrasse die Gelegenheit eines Schnappschusses vom Kölner Dom. „Wow, tolle Aussicht! Das teile ich kurz mit meiner Community“, erklärt Gutjahr und zückt das Handy.

Doch er weiß genauso gut, wann die neuen Netzwerke nicht der richtige Verbreitungsweg sind. Als Gutjahr Zeuge des Anschlags in Nizza wird, hält er die Geschehnisse mit seiner Kamera fest und stellt die Bilder anschließend der ARD und anderen Medien kostenlos zur Verfügung. Obwohl er andere Journalisten in Livestreaming und Mobile Reporting ausbildet, verzichtet Richard Gutjahr an dem Abend bewusst auf einen Livestream und überlässt die Auswahl der Bilder den Heimatredaktionen. „Ich sah mich in der Situation nicht in der Lage, eine Entscheidung von solcher Tragweite allein treffen zu können.“

Im OSK-Interview spricht Richard Gutjahr über die Bedeutung der sozialen Netzwerke für den Journalismus und erklärt, warum Facebook immer das Steuer in der Hand hält.

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//KW 14 – Homeless Media: Content ohne richtige Heimat

OSKWeekly KW 14 Titel - Homeless Media

Liebe Leserinnen und Leser,

Chatbots sind aktuell ein Phänomen, mit dem einige Unternehmen und Medienhäuser in Messengern wie WhatsApp oder eigenen Apps experimentieren. Chatbots sind Programme, die Nutzern das Gefühl eines natürlichen Gesprächs geben sollen. Vereinfacht funktioniert das so: Der Nutzer schickt eine Anfrage an den Chatbot, der auf eine Datenbank zurückgreift und mit Hilfe der dort gespeicherten Informationen und Angaben die Frage beantwortet. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Chat-Roboter scheinen vielfältig zu sein. Sie gehen von Servicedienstleistungen wie dem Bestellen einer Pizza bis zu Produktinformationen. Der Vorteil: Ohne selbst zu suchen, bekommt der Nutzer die Antworten direkt auf sein Handy geliefert.

Doch das System hat noch seine Lücken und Tücken. In der vergangenen Woche hat es Microsofts Chatbot „Tay“ in die Schlagzeilen geschafft – als Negativbeispiel. „Tay“ sollte von jungen Menschen lernen, wie 18- bis 24-Jährige heute so kommunizieren. „Je mehr du redest, desto schlauer wird Tay“, lautete die Ansage von Microsoft. Was als trendiger Teenager-Chatbot starten sollte, endete jedoch nach 24 Stunden als PR-Desaster. Denn wie das Unternehmen lernen musste, lockt so ein Experiment sehr schnell Trolle an. Und die brachten dem Programm jede Menge rassistische und beleidigende Sätze bei, die der Microsoft-Bot „Tay“ dann munter in die Welt posaunte.

Das Beispiel zeigt, dass Chatbots noch nicht ausgereift sind. Dabei ist das Prinzip auch für den Journalismus interessant, vereint es doch Push- und Pull-Kommunikation miteinander. Ein Chat-Roboter bietet aktuelle Nachrichten an, lernt die Vorlieben der jeweiligen Nutzer, reagiert aber auch auf deren Eingaben. Bevorzugt der User eher Texte, Videos oder Fotos? Je nachdem passt der Chatbot die zur Verfügung gestellten Inhalte in seinen Antworten an.

Die Washington Post plant schon einen Chatbot für ihren Newsdienst. Der Director of Product der Washington Post will mit dem WaPo Bot allerdings keinen „intelligenten Gesprächspartner“ entwickeln, um etwaige Missbräuche zu vermeiden. Der Dienst soll in etwa so funktionieren, wie die Quartz-App (wir berichteten in OSK Weekly KW07 darüber), nämlich durch die Vereinigung zweier Trends: Messaging und Push-Notifications. Im Mittelpunkt steht die Interaktion mit dem Leser. Er entscheidet, zu welchen Nachrichten er mehr Informationen haben will. Und natürlich, wo Innovationen sind, kann Facebook nicht weit sein. Auch wenn es manchen Experten erstaunt, dass das größte soziale Netzwerk erst relativ spät auf den Zug aufspringt. Aber: Nächste Woche soll angeblich über den weiteren Verlauf hinsichtlich eines Chatbots entschieden werden.

Wir verbleiben vorerst bei der klassischen Pull-Kommunikation und liefern heute, ganz bequem zum Nachlesen, wieder spannende Themen aus der Medienwelt.

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//KW 01 – CES 2016: globale Medienbühne mit wachsender Bedeutung

Liebe Leserinnen und Leser,

OSK Weekly ist zurück aus der Feiertagspause und versorgt Sie ab sofort wieder regelmäßig mit den wichtigsten Themen der Medienwelt und Digitalbranche.

Wir sind sehr gespannt, welche Themen, News und Trends uns 2016 beschäftigen werden. Zum Jahresauftakt lohnt traditionsgemäß ein Blick nach Las Vegas, wo die CES den ersten Messehöhepunkt des Jahres markiert. Die rasante Entwicklung und immense Bedeutung der CES erklärt Oliver Schrott in einem HORIZONT-Gastbeitrag. Doch bevor wir vollends mit Ihnen ins neue Jahr starten, gibt es noch eine kurze Rückschau auf 2015. Richard Gutjahr erklärt, welche Lehren Medienunternehmen aus dem vergangenen Jahr ziehen sollten.

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