//Perspective Daily – der nächste Schritt im Journalismus?

Perspective Daily ist eine neue journalistische Plattform, die derzeit durch die Medienlandschaft geistert. Mit einigen aufmerksamkeitsstarken Auftritten, z.B. in der Talkshow „Schulz und Böhmermann“, werben die Macher um Unterstützung für ihre Sache. David Korte hat sich mit Dr. Maren Urner und Han Langeslag aus dem Gründungsteam von Perspective Daily getroffen und sie zu ihrem Vorhaben befragt.

Maren, bitte beschreibe Perspective Daily für uns.

Maren Urner: Perspective Daily fragt „Wie kann es weitergehen?“. Gemeinsam mit passionierten Autoren, Visionären und Querdenkern machen wir einen Online-Journalismus, der über reine Problembeschreibungen hinausgeht und zukunftsorientiert berichtet. Dabei sind Lösungsansätze und bereits umgesetzte Lösungen zentral. Wie können wir unser Gesundheitssystem menschlicher gestalten? Wie können wir unsere Arbeit so organisieren, dass wir zufriedener sind?

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Was ist das Besondere an Perspective Daily?

Han Langeslag: Wir setzen nicht auf reißerische Überschriften und schnelllebige Kurz-Nachrichten, sondern auf einen Beitrag pro Tag, der Hintergründe erklärt, Zusammenhänge einordnet und Lösungen diskutiert. Unsere Autoren sind „Mischlinge“ aus Fachmenschen und Journalisten, die für ihr Thema brennen. Teamarbeit ist bei uns zentral und steht über dem eigenen Ego, denn es geht um den gesellschaftlichen Einfluss, den wir in erster Linie erreichen wollen. Der De Correspondent in den Niederlanden ist hierbei bereits sehr erfolgreich und zeigt, wie wertvoll ein solcher Ansatz sein kann. Ein Beispiel: Der Klimawandel hat Einfluss auf Politik, Wirtschaft, Forschung, Gesellschaft und Kultur. Unsere Beiträge werden deshalb immer Themen zugeordnet und lassen sich über Schlagwörter filtern.

Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Maren Urner: Sehr klassisch: am Küchentisch. Han und ich, wir haben in London promoviert und viel darüber gesprochen, warum die großen gesellschaftlichen Herausforderungen so selten auf Seite eins stehen. Wir haben uns gefragt, warum die vielen inspirierenden Menschen und Organisationen, die jeden Tag an Lösungen arbeiten, meist nur auf Seite 25 rechts unten auftauchen. Dabei sind wir auf den „Konstruktiven Journalismus“ gestoßen, der sich eben jene Fragen stellt, die wir heute stellen: Wie kann es weitergehen? Wie könnte es besser werden? International ist das eine wachsende Bewegung, die in Deutschland aber noch keine größere Stimme hat.

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Was bekomme ich konkret als Nutzer eures Portals? Wie sieht das Produkt aus und was bringt es mir persönlich?

Han Langeslag: Als Mitglied erhältst du eine tägliche Dosis neuer Perspektiven in Form deines exklusiven Zugangs zu allen Beiträgen von Perspective Daily. Diese Beiträge setzen sich zunächst aus einem längeren Beitrag pro Tag und ein paar kleineren Elementen zusammen. Wie zum Beispiel einer Zahl oder eines Zitats des Tages. Der Beitrag kann multimedial sein und z.B. Gamification-Elemente enthalten. Zusätzlich wirst du Teil von Perspective Daily und kannst Artikel kommentieren und dich mit den Autoren sowie mit anderen Mitgliedern austauschen. Das soll langfristig auch zur Themenfindung dienen: Du sollst ebenso wie alle anderen Mitglieder nicht passiver Empfänger sein, sondern mitdiskutieren.

Wie seid ihr in den Journalismus eingestiegen? Was ist euer Antrieb?

Maren Urner: Wir haben alle journalistische Erfahrungen. Ich habe schon immer gern geschrieben. Das reichte vom Praktikum bei der Lokalzeitung über die freie Mitarbeit dort bis zu wissenschaftsjournalistischer Arbeit. Vor zwei Jahren haben Han und ich dann gemeinsam mit einer Online-Marketingagentur ein kleines Projekt gestartet und selbst eine Redaktion aufgebaut. Das war wichtiges Lehrgeld, um Abläufe zu erproben. Unser Antrieb? Wir wollen etwas bewegen – was viele Journalisten ebenfalls antworten, wenn man sie nach ihrem Antrieb fragt. Wir sind davon überzeugt, dass ein lösungsorientierter, konstruktiver Journalismus wichtig für gesellschaftliche Partizipation ist. Wie? Indem wir darüber reden, was möglich ist. Denn nur das Reden über Lösungen schafft Lösungen.

Die Rhein-Zeitung hat kürzlich ihre Zahlen zu ihrer Paywall veröffentlicht. Das Haus ist anscheinend sehr zufrieden … Ihr sagt selbst, Perspective Daily steht für einen Journalismus, der fragt, wie es weitergeht. Wie wird es denn weitergehen?

Han Langeslag: Bezüglich bezahlter Inhalte sprechen die Daten, die wir kennen, dafür, dass Menschen bereit sind, für qualitativ hochwertige Beiträge zu zahlen. Und sie sprechen dafür, dass sich viele Menschen für hintergründige, längere Artikel interessieren – und dafür dann auch zahlen.

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Was muss guter Journalismus dafür zukünftig bieten? Und welche Grundvoraussetzungen müssen gegeben sein, damit guter Journalismus weiterhin garantiert werden kann?

Maren Urner: Guter Journalismus bedeutet für uns, dass die klassischen Aufgaben des Journalismus erfüllt werden – also Wächterfunktion, 4. Macht im Staat usw. Auch gehört für uns eine vollständige Berichterstattung dazu, die den Menschen ein realistisches Weltbild vermittelt – und nicht ein zu negatives Weltbild, wie es heute häufig der Fall ist. Vollständig bedeutet eben auch, über Lösungen zu sprechen. Dafür braucht es Zeit, und die fehlt – gerade im Online-Bereich – leider häufig. Warum? Haben wir zu wenige Nachrichten? Wohl kaum. Wir alle könnten 24 Stunden am Tag lesen, hören und schauen und wären trotzdem nicht fertig damit, alle Nachrichten zu rezipieren. Was es braucht, ist unserer Meinung nach mehr Einordnung, die Informationen in einen Zusammenhang stellt und so zu mehr Verständnis statt Häppchenwissen führt.

Gibt es international nicht viele ähnliche Ansätze? Wie bereichert Perspective Daily denn konkret den Journalismus?

Maren Urner: Ja, international ist der konstruktive Journalismus wie gesagt eine wachsende Bewegung, und wir sehen uns als Teil dieser. Dazu zählen zum Beispiel De Correspondent in den Niederlanden, Positive News in Großbritannien und Projekte in Dänemark und Schweden. Von diesen Projekten und Menschen lernen wir und möchten so auch zunächst den deutschen Journalismus bereichern. Eine Stärke sehen wir vor allem darin, dass wir teilweise Quereinsteiger sind, die „naiv“ an teils festgefahrene Strukturen im journalistischen Alltag rangehen. Außerdem sehen wir ein Alleinstellungsmerkmal in unserem fachlichen „Unterbau“ – sowohl in den Autoren selbst als auch in unserem Netzwerk und in unseren Kooperationspartnern, die fachlich seit Jahrzehnten an den großen Herausforderungen unserer Zeit erfolgreich arbeiten.

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Nora Tschirner und Klaas Heufer-Umlauf sind – neben einigen länger etablierten Vertretern der Medienlandschaft – prominente Unterstützer eurer Sache. Wie habt ihr dieses breite Spektrum an Unterstützern überzeugen können?

Maren Urner: Das war eigentlich nicht schwierig: Wir haben E-Mails verschickt, sind durch Deutschland gereist. Es gab gleich am Anfang viele Menschen, die das Konzept direkt verstanden haben und es unterstützen wollten. Wir sprechen in dem Zusammenhang gern von einer gewissen „Geistesverwandtschaft“, die bei unseren Unterstützern und auch den Mitgliedern vorhanden ist. Da macht es direkt Klick. und der konstruktive Austausch kann beginnen (lacht).

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Euer Crowdfunding wurde jüngst verlängert, die 50-Prozent-Marke ist überschritten. Wie sehen die nächsten Schritte aus? Wo geht die Reise hin?

Maren Urner: Primäres Ziel ist es, die Reichweite zu erhöhen. Denn nur wenn wir interessierte Menschen erreichen, kann das Projekt gelingen. Das gestaltet sich allerdings nicht so einfach. Auf der einen Seite berichten die Medien sehr zögerlich über unser Projekt. Und auf der anderen Seite konsumieren viele an Perspective Daily Interessierte schon sehr selektiv Medien. Es ist also gar nicht so einfach, diese Menschen auf Perspective Daily aufmerksam zu machen. Darauf liegt unser Fokus, um die Kampagne erfolgreich zu beenden. Dann soll der Start der Seite relativ schnell, vielleicht Ende April, erfolgen.

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Director Planning

David Korte verantwortet als Director Planning die strategische Planung bei Oliver Schrott Kommunikation GmbH, Deutschlands viertgrößter PR-Agentur. Innovative und crossmediale Kommunikationskonzepte- und formate sind sein Spezialgebiet. Der Digital Native ist ständig unterwegs, nie offline, trifft Kunden, Medienmacher, Kreative und Entscheider und kennt die neuesten und internationalen Kommunikations- und Marketing-Trends.

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