//Blogbuster: Schoenhaesslich

Das Schöne und das Hässliche vereinen Johannes Eich und Pierre Starkloff natürlich nicht in persona, sondern nur im Namen ihres mit Lifestyle aufgeladenen Blogs Schoenhaesslich.de, der “deine Suche nach einem Blog, der es wert ist gelesen zu werden, beendet”. Die beiden Freunde und Kollegen aus Stuttgart sind gelernte Layouter, verdienen also mit dem Schönen ihre Brötchen und das sieht man ihrem Blog auch an. Klare Strukturen und ein modernes Design führen den Leser durch den Stark- und Schwachsinn des Internets. Schon ein Jahr nach dem Launch im Jahr 2012 sahen die Zahlen vielversprechend aus – und lösten dies im zweiten Jahr ein: Mittlerweile gefällt “Schoenhaesslich” über 4.000 Followern. Ist das Zufall? Oder steckt dahinter ein ausgeklügeltes Marketingkonzept von Pierre und Johannes? Ich habe mir “Schoenhaesslich” im Gespräch mit den zwei Jungs erklären lassen:

Yannick: Die klassische Frage für den Anfang: Wo und wie habt ihr beiden euch kennengelernt und wie kamt ihr zum Bloggen?

Pierre: Kennengelernt haben wir uns während unseres Teilzeit-Studiums zum staatlich geprüften Layouter an der Johannes-Gutenberg-Schule in Stuttgart. Jeden Montag und Samstag haben wir dort unsere kreative Auszeit neben dem Hauptberuf als Grafiker genossen, die natürlich auch mit vielen Aufgaben und Pflichten verbunden war. Während dieser Zeit haben wir selbst sehr viele Blogs gelesen, gefeiert oder ungläubig den Kopf geschüttelt. Klar war irgendwann, dass wir es selbst besser machen wollen. Umgesetzt haben wir die Idee allerdings erst nach unserem Abschluss – quasi als Verlängerung einer einmaligen Zeit.

Johannes: Während der Schule haben wir immer ständig mit Gedanken und Ideen um uns geworfen und haben einfach mal alles was uns so in den Kopf kam in einen großen Topf gekippt, um nach dem Prüfungsstress und jeder Menge Selbstreflektion die schönsten Stücke wieder herauszunehmen und neu zusammenzusetzen. Zum Sammeln und Notieren half eine kostenlose Forensoftware – das war der Anfang.

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Abgesehen von einigen Artikeln aus der WTF-Kategorie, finden sich auf eurem Blog in der Regel Beiträge zu den schönen Dingen des (digitalen) Lebens. Wie steht es um die Hintergründe des Namens “Schoenhaesslich”?

Pierre: Natürlich haben wir Grafiker in erster Linie ein Auge für die schönen Dinge im Leben. Trotzdem ist unser Blog nicht darauf ausgerichtet. Uns war von Anfang an klar, dass wir auch Themen bringen würden, die fernab des Mainstreams angesiedelt sind. Hässlich bezieht sich dann eher auf das Außergewöhnliche.

Johannes: Es ist immer schwer einen guten Namen zu finden. Zur Diskussion standen damals noch Vorschläge wie: “Prettyugly” oder “We feed you eat”, die es dann zum Glück nicht in die engere Wahl geschafft haben. Ein guter Name kann Wunder wirken. Der Titel “Schoenhaesslich” war so etwas wie ein Türöffner für uns.

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Innerhalb kürzester Zeit hattet ihr große Erfolge mit eurem Blog, gerade was die Zahlen betrifft. War das geplant und hattet ihr ein klares Erfolgskonzept oder wart ihr davon selbst überrascht?

Pierre: Davon waren wir von Anfang an überzeugt und es war unser hart erarbeitetes Marketing-Konzept, dass uns dabei geholfen hat. Nein, Spaß. Wir sind tatsächlich schnell gewachsen, sind aber auch von Beginn an immer auf die Leute zugegangen. Wir stellen zum Beispiel jedes Jahr einen Weihnachtskalender zusammen oder besuchen Messen und berichten über unsere neuen Fundstücke. Unsere Fans danken es uns mit ihrer Treue.

Johannes: Wer großen Wert auf Qualität legt und diese dann kontinuierlich fortführt, egal wie niedrig die Userzahlen noch sind, wird auf lange Sicht davon profitieren. Der Leser ist nicht dumm, bemerkt Unterschiede in einem Überangebot von Blogs und Magazinen schnell und wird auf gute Seiten wieder zurückkommen.

Kann man denn als Blogger den eigenen Erfolg überhaupt planen?

Beide: Jein. Es mag wohl Konzepte geben, die gut durchdacht sind und mit denen man mehr oder weniger erfolgreich ist, aber letztendlich sind es die Leidenschaft und die persönliche Note, mit der man den Blog täglich mit Content füllt, die den Unterschied ausmachen.

Hauptberuflich arbeitet ihr als Layouter – wie schafft ihr es, alles unter einen Hut zu bringen? Wie viel Zeit nimmt euer Blog in Anspruch, wie viel seid ihr selbst bereit zu investieren?

Pierre: Mit steigender Größe nimmt der Blog immer mehr Zeit in Anspruch, denn täglich bekommen wir Anfragen von Künstlern, Werbern und interessanten Menschen wie euch, die uns Fragen stellen und sich vorstellen. Die Stunden zählen wir ungern – aber “Schoenhaesslich” beschäftigt uns fast täglich.

Johannes: Oft heißt es dann eben auch an Feiertagen und Wochenenden am Blog zu arbeiten. Es ist und bleibt jedoch ein Hobby – und wäre “Schoenhaesslich” ein Motorrad, würde selbst an Weihnachten der Chrom auf Hochglanz blitzen.

Könntet ihr euch vorstellen, den Fokus irgendwann auf den Blog zu legen statt auf die Arbeit als Layouter? Welche Ambitionen habt ihr konkret mit “Schoenhaesslich”?

Pierre: Um den Fokus auf “Schoenhaesslich” legen zu können, müssten wir deutlich größer sein. Wenn man davon leben muss, steht ein ganz anderer Druck dahinter, der uns, denke ich, nicht gut tun würde. Gerade aufgrund der finanziellen Unabhängigkeit, können wir mit SH machen, was wir möchten.

Johannes: Nein, dazu bin ich einfach ein zu großer Sicherheitsmensch. Das ganze Medium ist sehr kurzlebig und verändert sich schnell. Klar: Der Reiz ist da, dennoch liebe ich meine hauptberufliche Tätigkeit. Der Kontrast macht es interessant. Und wie Pierre es sagt: Steckt ein finanzieller Druck dahinter, sieht es mit “Mut” und “Kreativität” gleich ganz anders aus.

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Wie funktioniert die Zusammenarbeit? Strikte Arbeitsteilung oder ist jeder von Euch ein Alleskönner?

Pierre: Seit unserem Start mit “Schoenhaesslich” lief das immer automatisch bei uns beiden ab. Wir versuchen, zwischen uns die Waage zu halten. Schreiben können wir beide, gestalten auch, und in Sachen Marketing spinnen wir unsere Ideen zusammen.

Johannes: Ich bin froh, dass Pierre die Programmierung übernimmt und den Code im Griff hat. Da ist er der Crack. Diese Arbeit mache ich dann wieder mit Printjobs gut.

Euer Blog wurde bereits mehrmals für sein ansprechendes Layout und Design gelobt. Wie hoch legt ihr selbst die Messlatte bei Qualität, auch was die Inhalte betrifft?

Beide: Wir haben schon sehr hohe Ansprüche – versuchen aber auch pragmatisch zu sein. Es bringt nichts, wenn man ewig an seinem perfekten Blog-Design rumbastelt, aber nie damit online geht. Schön machen und live schalten – der Rest entwickelt sich ganz von alleine.

Danke euch beiden für das Gespräch. Weiterhin viel Erfolg und vor allem Spaß mit eurem Blog!

// Über “Blogbuster”

Die Vielfalt der Blogosphäre macht richtig Spaß, die Qualität vieler Blogs begeistert uns. Einmal im Monat stellen wir in “Blogbuster” einen Blog vor, das uns besonders gefällt, aus der Menge der zahlreichen coolen Webpräsenzen heraussticht oder uns bei unserer Arbeit als Agentur begegnet. Und, wann immer möglich, sprechen wir auch mit dem Kopf oder den Köpfen dahinter.

Hier gelangt ihr zu den anderen Teilen der Serie #Blogbuster

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Social Media Specialist

Yannick Schiep hat Media Management in Köln studiert und arbeitet im Social-Media-Team von OSK. Der Hobby-Fotograf und Digital Native mit Programmierkenntnissen betreibt einen eigenen Blog und ist auf fast allen Social-Media-Plattformen unterwegs. Er liebt Soul-Musik, die er bevorzugt auf Vinyl-LPs abspielt, gelegentlich mischen sich auch mal Schlager darunter. Yannick Schiep schreibt auf dem OSK Blog über den Medienwandel, analysiert die Blogosphäre sowie YouTube-Welt und berichtet über aktuelle Trends im Netz.

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