//Blogbuster: LangweileDich.net

tl;dr (Lesezeit: 5-10 Minuten)

  • Maik Zehrfeld hat seinen Blog LangweileDich.net vor gut zehn Jahren gegründet. Inzwischen ist er Vollzeit-Blogger.
  • Den Inhalt seiner Seite würde er zwischen Lifestyle und Kultur einordnen.
  • Maik versuch, nicht nur schnelles „Video-Fast-Food” zu veröffentlichen. “Das vierte Video einer Katze, die böse dreinschaut, poste ich nicht – das hat jeder schon woanders gesehen.”
  • Den Großteil seiner Einnahmen generiert Maik über Markenkooperationen, beispielsweise in Form von Advertorials.
  • In der Zusammenarbeit mit Unternehmen ist ihm wichtig, dass nicht nur der Blogger und die Marke profitieren, sondern auch die Leser.
  • Für Maik konzentrieren sich viele große Blogs zu sehr auf das pure Geldverdienen.

Menschen niveauvoll und nachhaltig unterhalten – das hat sich Maik Zehrfeld mit seinem Blog LangweileDich.net und viel Herzblut zur Aufgabe gemacht. Und zwar nicht irgendwie, sondern mit einer feinen, bunten Auswahl aus Kultur, Lifestyle und Inspiration. In diesem Jahr feiert das Blog, das Maik während seines Studiums vor lauter Langeweile gegründet hat, seinen zehnten Geburtstag. Und noch immer steht die „Kurzweile“ im Mittelpunkt. Seit 2013 betreibt er mit seriesly AWESOME ein zweites Blog, bei dem sich alles um Serien dreht. Im Gespräch mit OSK gibt Maik Einblicke hinter die Kulissen seines Blogs und in seine Arbeit als Vollzeit-Blogger.

Geboren wurde Maik vor ziemlich genau 30 Jahren in der Nähe von Dortmund. Anschließend verschlug es ihn in den Norden Deutschlands. Nach seinem Masterstudium in Medien-Management an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover arbeitete er etwas über drei Jahre in einer Hamburger Medien-Agentur. Derzeit wohnt Maik (noch) im Süden, in Augsburg. Seit zweieinhalb Jahren ist er selbstständig und inzwischen zu 99 Prozent Vollzeitblogger, wie er selbst sagt.

langweiledich.net 1 Maik Zehrfeld ist inzwischen zu 99 Prozent Vollzeitblogger. (Bild: Maik Zehrfeld)

Im OSK-Interview erklärt Maik, welche Inhalte es auf das Blog schaffen, weshalb er auf LangweileDich.net kein „Video-Fast-Food“ serviert und auch Cat-Content nur in geringen Dosen postet. Bei ihm steht der Leser im Mittelpunkt, den er mit einer sorgfältig zusammengestellten Mischung aus Fotostrecken, Videos, Filmrezensionen und Interviews unterhalten möchte. Auch hinsichtlich seiner Kooperationspartnerwahl berücksichtigt er stets, ob dadurch für alle Parteien ein Mehrwert entsteht. Er verrät uns außerdem, weshalb YouTuber die Blogger überholt haben und wie sich die Blogosphäre insgesamt durch eine zunehmende Kommerzialisierung in den vergangenen Jahren verändert hat.

Deinen Blog LangweileDich.net hast du – wie du sagst – aus Langeweile gegen die Langeweile gegründet. Was hat dich denn damals so sehr gelangweilt?

Eine redaktionelle Recherche im Rahmen eines Praktikums hat mich erst auf die vielen coolen, hippen Blogs geleitet. Der Grund für die Langeweile war damals tatsächlich ein großer Batzen Freizeit, weitläufig auch unter dem Begriff „Studium“ bekannt. Das war im September 2006. Seitdem betreibe ich LangeweileDich.net.

Welcher „Kategorie“ Blogger würdest du dich zuordnen?

Kategorien sind immer so eine Sache. Schubladendenken finde ich schwierig. Ich würde mich vermutlich irgendwo zwischen Lifestyle und Kultur einordnen. Ich bin thematisch auf LangweileDich.net jedoch sehr breit aufgestellt und bediene viele unterschiedliche Interessen. Ich möchte mich nicht über eine bestimmte Kategorie, sondern vielmehr über meine Auswahl qualitativer Inhalte und meine eigene Schreibe profilieren. Bei seriesly AWESOME, meinem anderen Blog, ist die Kategorisierung einfacher: Dort dreht sich alles um Medien und Kultur beziehungsweise um Serien.

langweiledich.net 2 LangweileDich.net feiert dieses Jahr das zehnjährige Jubiläum. (Screenshot: LangweileDich.net)

Was erwartet die Leser auf LangweileDich.net?

Kurzweile! Oder wie es die drei Pfeiler des Seitenclaims zusammenfassen: Unterhaltung, Inspiration und Lifestyle – also eigentlich doch Kategorien. Meine Leser sollen auf dem Blog jedenfalls Inhalte zu sehen bekommen, mit denen sie meiner Meinung nach ihre freie Zeit am besten füllen können. Es ist eine ganz bunte Mischung – von lustigen Bildern und Videos über neueste Architekturtrends, Musikrezensionen und Filmtrailer bis hin zu spannenden Interviews und toller Fotografie. Kurz gesagt: Die Leser erwartet beste Unterhaltung mit Niveau und Nachhaltigkeit!

Auf seriesly AWESOME veröffentlichst du Rezensionen von Serien. Nebenbei schreibst du auch für andere Medien wie Business Punk. Hast du noch weitere „Nebenjobs“?

seriesly AWESOME ist quasi mein zweites Steckenpferd. Das mache ich aber nicht alleine, sondern in Zusammenarbeit mit anderen tollen Leuten. Business Punk war auch eher eine zwischenzeitliche „Spaß-Sache“. Ein drittes Projekt soll noch im Spätsommer online gehen. Aber ich will nicht den Fehler begehen, etwas Halbgares zu verraten – falls es sich dann doch noch etwas verzögert. Abseits des Bloggens bin ich – allerdings sehr sporadisch – auch noch projektbasiert beratend und konzipierend für das ein oder andere Unternehmen oder Agenturen tätig. Aktuell bin ich aber zu 99 Prozent Full-Time-Blogger.

Wovon lässt du dich inspirieren? Welche anderen Blogs schaust du dir an?

Ich lasse mich den ganzen Tag lang von allem inspirieren – im „Tagesgeschäft“ natürlich auch von vielen anderen Blogs. Die Seiten, die ich mir wöchentlich oder öfter anschaue, sammle ich in meiner Blogroll, die ich alle paar Monate aktualisiere. Alle zu nennen würde hier sonst den Rahmen sprengen – einfach mal reinschauen.

langweiledich.net 4 “Ich versuche, nicht nur schnelles ,Video-Fast-Food’ zu servieren”, erklärt Maik Zehrfeld. (Bild: Maik Zehrfeld)

Welchen Anspruch stellst du an die Inhalte, die du auf dem Blog veröffentlichst?

Die Inhalte, die ich re-blogge, sollten schon etwas Besonderes sein. Das vierte Video einer Katze, die böse dreinschaut, poste ich nicht – das hat jeder schon woanders gesehen. Die Mischung muss stimmen. Ich versuche, nicht nur schnelles „Video-Fast-Food“ zu servieren, sondern das Ganze mit hochwertigen Bilderstrecken und Interviews zu garnieren. Generell muss das Niveau stimmen. LangweileDich.net ist keine Fun-Seite, die einfach nur die viralsten Clips der Woche zeigt.

Wie verdienst du Geld mit deinem Blog?

Mit Werbung. Zum einen über klassische Banner auf der Seite und zum anderen – und das ist der Großteil – über Markenkooperationen, beispielsweise in Form von Advertorials, Verlosungen oder gemeinsamen Kampagnen. Voraussetzung ist, dass ich die Inhalte für meine Leser als interessant und relevant erachte. Für Marken wiederum bietet sich so die Gelegenheit, auf Langweiledich.net oder seriesly AWESOME präsent zu sein. Für Business Punk habe ich vor einigen Monaten zusammengefasst, wie Blogger Geld verdienen können (bzw. ich es tue).

Wie setzt du die weiteren Social-Media-Kanäle ein? Welcher ist dein Lieblings-Kanal?

Social Media setze ich vor allem flankierend zu meinem zentralen Blog ein. Auf Twitter gibt es neben den Beitragsverweisen auch jede Menge „persönlichen Kleinkram“ über aktuelle Geschehnisse, zum Beispiel sehr subjektive Kommentare zu Fußballspielen. Auf Facebook hingegen veröffentliche ich täglich ein paar ausgewählte Beiträge des Blogs und die ein oder andere exklusive Aktion. Instagram macht mir persönlich am meisten Spaß, obwohl es eigentlich am stärksten vom Blog abgekoppelt ist. Dort poste ich eigene Fotos von Reisen und Events und gebe meinen Abonnenten so Einblick in den privaten Alltag eines Bloggers.

langweiledich.net 3 Auf Instagram postet Maik eigene Fotos von Reisen und Events. (Screenshot: Instagram)

Wie stehst du zu Kooperationen mit Unternehmen? Kommen Unternehmen auf dich zu?

Genau, meistens verläuft es so herum. Kooperationen sind toll, solange sie allen Seiten etwas bringen – und damit meine ich nicht nur Blogger und Unternehmen, sondern auch die Leser. Das ist für mich ein absolutes Muss! Ich erhalte jeden Tag mehrere Anfragen für Kooperationen. Viele sortiere ich jedoch direkt aus, wenn ich feststelle, dass nicht alle drei Seiten davon profitieren. Alle umgesetzten Kooperationen der letzten Jahre habe ich zusammengefasst. Mit wem ich wirklich gerne einmal zusammenarbeiten würde, ist Borussia Dortmund, auch wenn das natürlich weniger ein klassisches Unternehmen ist. Aber das wäre mir als großer Fan eine Herzensangelegenheit. Falls Herr Watzke hier mitliest: Gerne melden!

Viele Blogger sagen, dass Bewegtbild immer wichtiger wird. Welche Rolle spielen Videos deiner Meinung nach?

Bewegtbild ist natürlich toll – meiner Meinung nach sind Videoformate jedoch nur dann sinnvoll, wenn sie gut gemacht sind und zum Thema passen. Bei vielen Inhalten habe ich gar nicht die Möglichkeit, sie in ein Video zu verpacken. Fotografie beispielsweise muss in Bildern erzählt werden. Aber die Erstellung von Bewegtbild ist grundsätzlich auf jeden Fall ein wichtiges Thema, vor allem hinsichtlich des eigenen Original-Contents. Bei seriesly AWESOME produzieren wir gerade die ersten Folgen eines neuen Formats. Ab dem Zehnjährigen von LangweileDich.net im Herbst wird es auch eine inhaltliche Umstrukturierung der Seite geben, wodurch auch das Format Video präsenter werden wird.

langweiledich.net 5 Bei großen Blogs stehe der finanzielle Aspekt oftmals zu sehr im Mittelpunk, kritisiert Maik. (Bild: Maik Zehrfeld)

Was hat sich deiner Meinung nach in der Blogosphäre in den vergangenen Jahren verändert?

Die Blogosphäre hat sich leider sehr weit von ihrer eigentlichen Bedeutung entfernt. Wie so oft hat die zunehmende Kommerzialisierung zwei Seiten: Auf der einen ermöglicht sie eine erfreuliche Professionalisierung, auf der anderen Seite verursacht sie leider aber auch ein extremes Konkurrenzdenken – zumindest in einigen Bereichen. Der Markt ist voll, es gibt viele Seiten, die sich optisch kaum unterscheiden und die gleichen Inhalte anbieten. YouTuber denken und arbeiten viel vernetzter – das ist unter anderem ein Grund dafür, dass sie an uns Bloggern vorbeigezogen sind.

In den großen Blogs steht oftmals noch zu sehr der finanzielle Aspekt im Mittelpunkt – das Geld verdienen. Wenn virale und schnell gemachte Inhalte funktionieren – „funktionieren“ heißt, sie generieren Reichweite und werden von Werbetreibenden blind übernommen – wird eben der „einfache“ Weg gewählt. Inhalte werden x-fach und überall gepostet, Seiten kapseln sich gefühlt ab, machen „ihr Ding“ – was aber eigentlich das Ding aller ist. Ich würde mir wünschen, dass Blogger wieder mehr eigene Inhalte erstellen und der Netzwerkgedanke wieder stärker hervorgehoben wird. „Blogosphäre“ ist aktuell vielmehr der Überbegriff vieler einzelner Seiten. Die Bezeichnung „Gemeinschaft“ ist heute nicht mehr zutreffend. Ich habe dazu kürzlich auch einen neuen Artikel im Blog veröffentlicht.

langweiledich.net 6 Der Blogger sitzt natürlich nicht ständig vor dem Bildschirm. Für seine Arbeit ist Maik auch viel unterwegs, hier auf dem Deichbrand Festival. (Bild: Maik Zehrfeld)

Welche Projekte stehen zukünftig bei dir an?

Neben dem neuen Videoprojekt auf seriesly AWESOME ist der zehnte Geburtstag von LangweileDich.net gerade die größte Baustelle. Hinzu kommt der mysteriös angedeutete Spätsommer-Launch. Es macht Spaß, beansprucht jedoch auch viel Zeit und Nerven. Ich freue mich schon darauf, anschließend endlich über die ganzen tollen Ideen reden zu können und will vermutlich erstmal eine Weile nichts von neuen Projekten hören – bis ich zwei Wochen später wahrscheinlich sowieso wieder eine Idee für ein neues, cooles Projekt habe, das ich unbedingt umsetzen will.

Stichwort „Digital Detox“: Was würdest du tun, wenn du einmal eine Woche lang offline wärst?

Die Frage passt insofern gut, als dass ich sie gerade am letzten Tag vor einer angedachten Offline-Phase beantworte. Ab morgen bin ich nämlich – zwar nur zwei Tage, aber das dürfte hart genug werden – in einem Haus am See in der schwedischen Einöde unterwegs. Statt im Netz unterwegs zu sein, werde ich die örtlichen Wanderwege erkunden und die Chance ergreifen, die Game of Thrones-Bücher weiterzulesen, bei denen ich leider noch notorisch hinterherhinke.

Friederike Pater ist studierte Journalistin und hat schon während ihrer Unizeit in der PR gearbeitet. Ihr Weg führte sie von der Konzernkommunikation über die Redaktion der Mittelbayerische Zeitung bis hin zu OSK nach Köln. Seit November 2014 arbeitet sie in der Agentur als PR-Assistant im Bereich Consulting. In ihrer Freizeit powert sie sich beim Crossfit-Training aus, genießt das gesellschaftliche, kulturelle und kulinarische Angebot der Rheinmetropole und lässt sich vom urbanen Charme Kölns zur Malerei inspirieren.

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