//Always on the Road: Die Algarve, Surferparadies im südwestlichen Europa

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„It’s like the mafia. Once you’re in – you’re in. There’s no getting out“, so umschrieb der elfmalige Surfweltmeister Kelly Slater einst seine große Leidenschaft für das Wellenreiten und zielte dabei auch auf den ganz eigenen Lifestyle der internationalen Surfgemeinde ab.

Was Slater konkret damit meinte, konnten im Sommer sechs Reise- und Lifestyle-Blogger hautnah erleben. Auf Einladung von airberlin und dem Algarve Promotion Bureau (ATA) waren die Online-Multiplikatoren auf einer Entdeckungsreise durch das Surferparadies der Algarve, im äußersten Südwesten Europas, unterwegs. Mehrere Tage verbrachten die Blogger an dem 150 Kilometer breiten Küstenstrich, drei davon in einem Surfcamp in der Nähe von Lagos. Dort ging es rauf aufs Brett – anstrengend, teilweise qualvoll, waren die ersten Stunden im Wasser. Doch dann kam es, das Glücksgefühl, das man wieder und wieder erleben will – fast wie eine Sucht. OSK stand als Kommunikationsagentur mit auf dem Board, organisierte im Auftrag der Kunden die Tour und war für die Blogger Relations verantwortlich.

Surfen boomt – nicht nur in Übersee

surfbild_3 © João Bracourt

Die Internet-Liveübertragungen von den großen Surf Events in dieser Welt erreichen mittlerweile bis zu einer Million Zuschauer. Besondere Wettbewerbe werden auch im Fernsehen ausgestrahlt, hierzulande unter anderem auf ProSieben FUN. Seit einigen Jahren gibt es auch Überlegungen, das Wellenreiten zu einer Olympischen Disziplin zu machen. Keine Frage: Der Surfsport boomt – und das nicht nur in Australien, Kalifornien oder auf Hawaii. Denn was viele nicht wissen: Um gute bis sehr gute Wellen surfen zu können, muss man nicht zwingend um die halbe Welt jetten. Sozusagen vor der Haustür – in Frankreich, Nordspanien, auf den Kanaren oder eben in Portugal – finden sich zahlreiche Top-Spots zum Wellenreiten, geeignet sowohl für Anfänger als auch für Profis. Und diese Surf-Locations sind aufgrund des hervorragend ausgebauten europäischen Flugstreckennetzes immer leichter und schneller zu erreichen. So avancierte das Surfen in den vergangenen Jahrzehnten auch in unseren Breitengraden mehr und mehr zum Trendsport, der immer mehr Menschen anlockt und längst kein reines Nischendasein mehr fristet. Als ein Top-Ziel bei europäischen Surftouristen gilt dabei die stille und facettenreiche Küstenregion im Süden Portugals. Warum eigentlich?

Die Algarve: Top-Ziel für Surfer in Europa

Algarve_Amado_Strand © Danny Bastiaanse

Filmemacher Karsten Boysen und ich stehen auf den meterhohen und steil abfallenden Klippen an der Westküste der Algarve, nahe der Stadt Vila do Bispo. Wir befinden uns mitten im Naturschutzgebiet der sogenannten Costa Vincentina, das einen Teil der Algarve einnimmt. Fast unberührte Landschaften gibt es hier, eine atemberaubende Kulisse erstreckt sich entlang der Küste: Links von uns liegt der Strand Castelejo, rechts der Strand Cordoama. Unter uns tobt der Atlantik. Einige Surfer sind von hier oben auszumachen, sie paddeln, springen auf ihre Boards und gleiten gekonnt auf dem Wellenkamm zum Strand. Hinter dem tiefblauen Horizont kommt lange erstmal nichts. Irgendwann dann Amerika.

aussicht_1 © João Bracourt

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Karsten und ich sind auf Spurensuche an der Algarve. Wir möchten aus erster Hand erfahren, warum die Algarve ein so beliebtes Ziel bei Surfern ist. Dazu wollen wir mit Einheimischen und Surfern sprechen. Wir treffen uns mit Marlon Lipke, einem deutschen Surfprofi, der an der Algarve aufgewachsen ist und dort lebt. Er ist der erste und bislang einzige Deutsche, der 2008 den Aufstieg in die Weltmeisterschaft des Surfens (ASP World Tour) schaffte und mit den 45 weltbesten Surfern um den begehrten Weltmeistertitel kämpfte.

// Über „Always On The Road“

OSK ist ständig in Bewegung: Fast das ganze Jahr über sind wir für unsere Kunden „on the road“, oft auch im Ausland. Rund die Hälfte der Agentur-Projekte findet außerhalb Deutschlands statt, seit 1993 waren wir in über 40 Ländern auf vier Kontinenten im Einsatz. In „Always on the road“ stellen wir regelmäßig Locations vor, die wir für Projekte scouten, auf Dienstreisen besuchen oder für Veranstaltungen nutzen. Dazu zählen neue Hotels, besondere Restaurants und coole Bars ebenso wie interessante Regionen und Städte, attraktive Teststrecken sowie nicht zuletzt spannende Gebäude, Museen und Galerien. Auch spannende Geschichten, die wir im Rahmen von Agenturreisen exklusiv recherchieren, sind in dieser Rubrik zu finden.

Lipke blickt von oben aufs Meer und studiert die Wellen. Er sieht glücklich aus und lächelt. „Der Swell ist schon größer geworden“, sagt er und blickt zufrieden auf das Meer. Swell beschreibt – einfach gesagt – die Wellendünung, die weit draußen auf dem Meer durch starke Winde hervorgerufen wird, um sich dann später in Strandnähe in Form surfbarer Wellen zu entladen. Er erzählt uns, dass die Dünung in den letzten Tagen noch deutlich kleiner war und der Wind vom Meer wehte – keine optimalen Bedingungen fürs Wellenreiten. „Onshore“ nennen Surfer den Zustand, wenn der Wind auflandig bläst und die Wellen auf diese Weise zu einem großen Durcheinander verformt. „Heute ist leichter Offshore. Und die Welle ist sauber. Jetzt schnell ins Wasser, bevor der Wind wieder dreht.“ Wir steigen mit ein in das Auto des Profisportlers, fahren auf engen und kurvenreichen Straßen durch die hügelige Landschaft bis hinunter zum Strand von Cordoama. Je näher wir dem Wasser kommen, desto mehr Autos begegnen uns – viele haben Surfbretter auf dem Dach, sind eingestaubt und mit einer feinen Sandschicht glasiert. Das Krachen der Brandung ist bereits im Auto zu hören. Am Strandparkplatz tummeln sich zahlreiche buntbemalte Surf-Vans und -Busse, Surfschulen schlagen am Strand ihr Quartier auf, Wellenreiter blicken aufs Meer, staksen lässig Richtung Brandung oder gleiten erschöpft aus dem Wasser. Hier dreht sich alles nur ums Surfen und um nichts anderes. Lipke ist jetzt ganz schnell: Brett wachsen, Neoprenanzug überstreifen, Leash am Bein befestigen und ab in die Fluten. Zwei Stunden später ist er wieder zurück. Mit einem breiten Grinsen und funkelnden Augen im Gesicht – die Freude am Surfen ist ihm ins Gesicht geschrieben.

Algarve_MarlonLipke_02 © João Bracourt

Zwei verschiedene Küstenabschnitte am Atlantik

Der deutsche Surfprofi erklärt uns, dass es die besondere geographische Lage der Algarve sei, die ihren Reiz ausmache. Es gibt hier zwei unterschiedlich ausgerichtete Küsten – zum einen die West- und zum anderen die Südküste. Der Westen Portugals verfügt über eine Art „Wellengarantie“ – dort rollen aufgrund der nordatlantischen Tiefdruckgebiete fast das gesamte Jahr über Wasserwalzen ans Ufer. Mal sind sie größer, mal kleiner, je nach Wind- und Swell-Richtung sowie Tide. Die höchsten Wellen und besten Surf-Bedingungen gibt es im Winter, von Mitte September bis Ostern. In der Sommerzeit sind die Wellenverhältnisse tendenziell etwas schlechter, dennoch reiche es fast immer zum Surfen, wie uns Lipke berichtet. Und ist die Brandung an der felsigen Westküste für den Beginner zu groß und türmt den Atlantik zu haushohen Wellen auf, dann bietet die Südküste zahlreiche Ausweichmöglichkeiten. Der Grund: Die Dünung zieht ab einer bestimmten Stärke und Höhe um Sagres, den südwestlichsten Zipfel von Europa, herum und trifft mit leicht abgeschwächter Kraft auf die ruhigere, von Sand und Dünen geprägte Südküste. Dann entstehen Wellen an Traumbuchten wie Zavial, Barranco oder den Stadtstränden bei Lagos – sie locken die Surfer in Scharen ins Wasser. Ein weiterer Vorteil: das Klima. „Fast das gesamte Jahr über haben wir hier sommerliche Temperaturen, selbst im Frühjahr und Herbst fällt die Temperatur nur selten unter 20 Grad“, schwärmt Lipke.

Man findet immer eine Welle

Der Portugal Surf Guide weist für beide Küsten insgesamt 22 Surfstrände aus, die sehr nahe beieinander liegen. Jeder ist von Sagres aus innerhalb von 30 Autominuten erreichbar. Die Wege an der Algarve sind also kurz. Ein Auto ist dennoch unverzichtbar, um flexibel von Strand zu Strand fahren zu können. Ob große, kleine, schnelle oder langsame Wellen – es heißt, dass an der Algarve für jeden etwas dabei sei. Wer intensiv sucht, der findet immer eine passende Welle und mit etwas Glück auch eine Welle für sich. „Wir haben hier natürlich noch viel mehr Buchten an der Küste, doch unsere Secrets geben wir [d.h. die Locals, Anm. d. R.] nur ungern preis“, verrät uns Lipke. Es ist verständlich: Der Surftourismus wächst seit Jahren kontinuierlich in der Region. Früher kamen die Touristen ausschließlich wegen des ganzjährig guten Klimas, der Sonnengarantie und den malerischen Sandstränden – heute kommen sie auch wegen der Wellen. Das führt insbesondere in den Hauptreisemonaten Juli und August immer öfter zu Gedrängel im Wasser und gelegentlich auch zu Rivalitäten zwischen den Einheimischen und den Surftouristen.

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Der ehemalige ASP-Surfer packt sein Brett ins Auto. Wir steigen ebenfalls ein und fahren in seine Heimatstadt Lagos. Es ist die Surf-City der Algarve – hier trifft sich die Szene in den Bars, hier sind die besten Surf-Shops, zahlreiche Surf-Camps und von hier starten die meisten Tagestrips zum Wellenreiten. Die Eltern von Marlon Lipke haben in Lagos vor 21 Jahren – als eine der ersten – eine Surfschule eröffnet. Heute gibt es laut dem lokalen Surfschulverband (AESCV) allein an der Costa Vicentina, die nur einen Teil der Algarve ausmacht, 17 gelistete Surfschulen. In der gesamten Region rund um die Algarve sind es jedoch deutlich mehr.

„Die erste richtig gesurfte Welle war meine beste. Es war an der Westküste, ein paar Strände entfernt von Cordoama. Sie hat am meisten Spaß gemacht. Man vergisst sie nie“, sinniert Lipke, während wir in der Abendsonne zurückfahren. Wer es einmal geschafft hat, auf einer Welle zu gleiten, will es sofort wieder tun. Es ist genauso, wie es Kelly Slater beschrieben hat. Es ist wie bei der Mafia. Das ist auch der Grund, warum die meisten Surftouristen wiederkommen. Es ist vielleicht auch der Grund, warum die Blogger oder ihre Leser (wieder) kommen werden.

Algarve_WayToTheEndOfEurope Am südwestlichsten Ende von Europa rund um Sagres begegnet man hauptsächlich Surfern // © João Bracourt

Algarve_Arrifana_Strand Am Strand von Arrifana trifft sich tagsüber die Szene zum Surfen, abends zur Beach-Party // © Danny Bastiaanse

Algarve_Westkueste Die Algarve besteht aus zwei Küsten: Die schroffe und felsige Westküste sowie die ruhigere, von Sand und Dünen geprägte, Südküste // © Danny Bastiaanse

Algarve_Southcoast_02 An der Algarve gibt es auch heute noch zahlreiche verwunschene und geheime Buchten, die die Locals vehement schützen // © João Bracourt

Algarve_SurfsUp_15 Die endlosen Strände der Algarve locken Surfer aus ganz Europa

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Manager Online / Social Media

Oliver Nermerich ist Kommunikationswissenschaftler und lebt im Internet. Bei OSK arbeitet er als Manager Online/Social Media und entwickelt kundenübergreifend Strategien, Auftritte und Kampagnen für das Internet und mobile Anwendungen. Auch privat dreht sich bei ihm alles um die digitale Welt: Er gehört zum Autorenteam des Lifestyle-Blogs Whudat.de und betreibt mit Freunden das Rolling-Magazin "Be-Mag". Sein Smartphone gibt er nur aus der Hand, wenn er auf sein Board steigt und an der Algarve die nächste Welle surft. Für das OSK Blog spürt er die neuesten Trends und Entwicklungen im Netz auf und spricht mit Meinungsmachern und Digital Influencern.

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